Zugegeben, etwas länger haben wir dann doch gebraucht – am 1. August wollten wir eigentlich aufbrechen. Aber nun haben wir alle Vorbereitungen abgeschlossen und sind startklar. Eine schier unendlich lange To-do-Liste ist abgearbeitet. Dabei sind wünschenswerte aber nicht zwingend notwendige Dinge auf der Strecke geblieben. Dennoch: Ein Hoch auf uns! Dem entgegen steht das Tief über Schottland, das uns in Holland mit 7 Windstärken aus Südwest direkt auf die Nase weht. Auf der Nordsee bläst es sogar mit bis zu 45 Knoten (9 Beaufort). Die Konsequenz: wir bleiben im Hafen!
In der letzten Woche haben wir die Nacht zum Tag gemacht und noch einmal einen richtigen Arbeitsmarathon hingelegt:
- Die neue secondhand erworbene Rettungsinsel kam mit Verspätung aus der Wartung zurück und brauchte samt Halterung auf dem Deck eine sichere Befestigung.
- Am Heck befindet sich nun ein Anker, für den eine maßgeschneiderte Halterung geschaffen und montiert werden musste. (Maßgeschneidert bedeutet, dass Chris die Konstruktion selbst entworfen und in vielen Stunden aus Edelstahl geschweißt hat.)
- In letzter Minute haben wir uns für einen AIS-Receiver als zusätzliche Sicherheitsausrüstung entschieden, um bei unsichtigem Wetter (ausrüstungspflichtige) Schiffe orten zu können. Die Montage ging zügig – das Strippenlegen dagegen war wieder einmal sehr langwierig.
- Apropos langwierig: Auch die neue elektrische Lenzpumpe, die im Falle eines Wassereinbruchs große Wassermengen abpumpt und ihren Platz am tiefsten Punkt in der Bilge erhalten hat, musste an die Elektrik angeschlossen und ein Schlauch mit Borddurchlass gelegt werden. Wieder hat Chris das halbe Schiff zerlegt, um die Kabel und Strippen professionell an das Schaltboard anzuschließen.
- Das Bunkern und Verstauen der Lebensmittelvorräte hat ebenfalls einen ganzen Tag in Anspruch genommen. Nachdem wir den Supermarkt leer gekauft und den PKW bis unter das Dach mit Getränken, Konserven, Nudeln, Reis und vielen kleinen Leckereien vollgepackt hatten, wollten die Speisen wasserfest in Tüten an Bord verstaut werden. Jeden Winkel und Hohlraum haben wir als Stauraum genutzt. Parallel dazu haben wir in einem Stauplan akribisch festgehalten, was sich nun wo im Schiffinneren versteckt.
- Andrea hat in der letzten Woche nochmals einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und musste ihre Fähigkeiten als Ersthelfer unter Beweis stellen, als Chris beim Festziehen von Schrauben abrutschte und sich an einer Schraube den Daumen aufschlitzte. Der tierische Schmerz hat inzwischen nachgelassen. Und Gott sei Dank war es nur der linke Daumen, so dass Chris dann doch tapfer weiterarbeiten konnte.
Warum haben wir das erst jetzt gemacht? Was haben wir eigentlich in den letzten Monaten so getrieben?
Mit der Entscheidung im September letzten Jahres, einen Atlantik-Segeltörn in Etappen zu machen, haben wir mit den Vorbereitungen begonnen. In den Wintermonaten haben wir das Unterwasserschiff überarbeitet und einen präventiven Osmoseschutz aufgebaut. Kalkuliert hatten wir 3 Wochenenden – dem Wunschdenken und Plan standen in der Praxis dann 6 Wochenend-Arbeitseinsätze gegenüber.
Nachdem wir Mitte Mai die Aurora Maris aus dem Winterlager geholt und in unserem Heimathafen zu Wasser gelassen hatten, haben wir von einem Riggbauer alle Stage und Wanten gegen neue austauschen lassen. Um für schweres Wetter gut vorbereitet zu sein, haben wir zudem ein sogenanntes Kutterstag für Sturmbesegelung fertigen lassen.
Nicht nur an Sturmtage haben wir gedacht, auch Sonnentage haben wir berücksichtigt und im Hinblick auf die zu erwartende hohe UV-Strahlung ein Bimini als Sonnenschutz fertigen lassen. Die Planung und das Design haben wir dabei wieder selbst in die Hand genommen.
Über zusätzlich erforderliche bzw. gewünschte Ausrüstung wie eine Windsteueranlage, einen Windgenerator (in Ergänzung zu den bereits vorhandenen Photovoltaik-Modulen), elektronisches Navigationsequipment und so weiter mussten wir uns Gedanken machen, recherchieren, entscheiden. Nach der Entscheidung dann die Suche (auf dem Gebrauchtmarkt). Und wie wird das neue Equipment an Bord befestigt? Klar, kaufen kann man alles. Doch jedes Schiff ist individuell und so hat jedes Montageset seinen Preis. Chris kann vieles selbst machen. Dadurch haben wir auf der einen Seite eine hohe Kostenersparnis. Auf der anderen Seite aber auch unendlich viel zu tun.
Viele Dinge mussten wir klären, entscheiden, regeln und organisieren: Was machen wir mit Haus und Garten? Welche Versicherungen brauchen wir? Was geschieht mit der Post und der Mitgliedschaft im Verein? Welche Impfungen brauchen wir? Dann noch schnell zum Zahn- und Augenarzt. Neue Brillen mussten her. Sind unsere Papiere und die des Schiffs noch aktuell? Und schließlich die Erkenntnis: der Törn nach Amerika führt über die amerikanische Botschaft in Berlin. Auch hierfür mussten wir Zeit abzwacken.
Und dann stand auch noch das Abschiedfeiern auf dem Programm. Auch das kostet Zeit – gibt aber im Gegenzug wertvolle Momente und Augenblicke der Freude, die uns auf unserem Törn begleiten werden.
An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die Kollegen, Freunde und Familie für Eure lieben Worte, Eure guten Wünsche und tatkräftige Unterstützung.
Schön von euch zu hören. Heike und ich haben uns beim Newsletter angemeldet. Wir sind über alle Schritte informiert 🙂 . Das Tief ist auch in Ladbergen spürbar. Bei uns ist auch ein böiger Wind. Euch noch eine tolle und sichere Fahrt.
Liebe Grüße
Heike und Reinhard
LikeLike
Wir wünschen euch eine tolle Zeit mit vielen positiven Eindrücken, viel Glück mit dem Wetter und, wie man so sagt, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel! Danke für eure Visitenkarte, dadurch können wir hier mitlesen und freuen uns, eure Erlebnisse verfolgen zu können.
Ganz herzliche Grüße von der MENAMi –
Tina & Klaus
LikeLike