Segeln im Solent
Der Solent und die Segelhauptstadt Cowes sind DAS Segelrevier schlechthin, weltbekannt für Segelregatten wie der legendären Cowes Week. Nur wenige Seemeilen breit und rund 20 Seemeilen lang, findet sich hier alles was schwimmen kann, angefangen mit historischen Seglern über modernste Rennyachten, weltweit fahrende Handelsschiffe, luxuriöse Kreuzfahrtlinien bis hin zu militärischen Fahrzeugen und sogar Flugzeugträgern. Dazwischen pendeln permanent Fähren und Hoovercrafts, die die Insel Wight mit dem Festland verbinden.
Extreme Strömungsverhältnisse können unter Umständen für ruppige Seen sorgen. Kap- und Düseneffekte beschleunigen den Wind.
Wir erleben den Solent dieses Mal mild bei angenehmen 3 Windstärken (natürlich weiterhin von vorne!) und glatter See. Segeln vom Feinsten bei Sonnenschein. Den Weg hierher haben wir uns allerdings schwer erarbeiten müssen: bei angekündigten Windstärken (aus Südwest) bis zu 6 Beaufort ist für uns wieder einmal Gegenankreuzen angesagt. Noch haben wir Springzeit (Vollmond war am vergangenen Montag) und dadurch bedingt stärkere Strömungsverhältnisse. Diese sorgen einerseits dafür, dass wir bei Mitstrom schneller voran kommen. Andererseits werden wir bei Gegenstrom und kurzer Welle frustrierend ausgebremst. Die Sonne begleitet uns nur auf den ersten Meilen. Salzwasserduschen unter grauem Himmel ist angesagt.
Es wird einem nichts geschenkt
Mehr als 12 Stunden für 54 Seemeilen auf der Kreuz brauchen wir für diese Etappe, erreichen damit unseren Zielhafen Portsmouth erst nach Einbruch der Dunkelheit. Der neon-blau erstrahlte Spinnakertower (modernes Wahrzeichen der Metropole) weist uns schon von Weitem den Weg. Daran angrenzend die in Gelb-Orange-Tönen hell erleuchtete Stadt entlang der Küste. Ein faszinierender Anblick! Für die Navigation erweist sich diese Szenerie allerdings als hinderlich: Positionsleuchten der auch jetzt fahrenden Schifffahrt sowie die Seezeichen und Leuchtfeuer sind im Kontrast der Stadt- und Straßenverkehrsbeleuchtung schwer auszumachen. Um 23.30 Uhr Ortszeit machen wir fest in der Haslar Marina. Die Augen brennen vor Anstrengung. Arme und Beine sind schwer vor Müdigkeit.
Den nächsten Morgen lassen wir gemütlich angehen, brechen dann aber bei passender Tide auf, um Cowes und den in den Solent mündenden River Medina anzulaufen. Unser Anliegen, einen Ersatz für die auf der letzten Etappe gerissene Schot zu beschaffen, verwerfen wir, als der Hafenmeister uns darauf aufmerksam macht, dass wir Samstag (Abend) haben. So schnell geht das also, dass man das Zeitgefühl verliert. Wir verschieben unser Vorhaben auf den nächsten Hafen und genießen den Abend am River Medina im „Folly Inn“. In diesem legendären Pub ist schon so mancher Regattasieg mit ausgelassenem Table Dance gefeiert worden. Auch diese Tradition wird heute noch gepflegt.
Die Sterne stehen gut
Die Naturidylle setzt sich am nächsten Tag im Beaulieu River auf der anderen Solentseite fort: wir laufen 2 Stunden vor Hochwasser diesen Fluss an, um mit genügend Wasser unter dem Kiel die vorgelagerte Barre sicher zu passieren. Dann tuckern wir unter Motor den Flusslauf hinauf. Kurz vor der historischen Siedlung Bucklers Hard, in der einst die Schiffe der Nelson-Flotte gebaut worden sind, finden wir einen beschaulichen Mooringplatz – gefühlt fern ab der Zivilisation – für die Nacht. Bei Sonnenuntergang ist Grillen an Bord angesagt. German Sausages, Potatoes und selbst gemachtes Tzatziki sind des Seglers Gaumenfreude. Die Nacht ist sternklar. Und während wir den großen Wagen, Kassiopeia und Arkturus auszumachen versuchen, schießt unvermittelt eine dicke Sternschnuppe von Ost nach West quer durch die Nacht. Wenn das kein gutes Omen ist…. Weitere Sternschnuppen folgen.
The Needles bei Sonnenaufgang
Am nächsten Tag ist Landgang angesagt. Wir besuchen Bucklers Hard und nehmen das Dinghy, um den zunehmend flacher werdenden Beaulieu River flussaufwärts zu erkunden. Einen Tag später setzen wir den Törn fort, legen einen Zwischenstopp in der Hafenstadt Yarmouth ein und verabschieden uns dann vom Solent. Wir wollen weiter zu den Kanalinseln, rund 60 Seemeilen – bei passendem Wind eine gute Tagesetappe von hier entfernt. Bei Sonnenaufgang verlassen wir den Hafen. Der Strom schiebt uns mit zusätzlichen 5 Knoten durch den Solent. So passieren wir dicht unter Land die Needles, das Wahrzeichen der Insel Wight. Wir können uns kaum satt sehen an diesen bizarren Felsformationen mit vorgelagertem Leuchtfeuer. Die Morgenstimmung tut ihr Übriges dazu.
Wir sind gespannt auf die Kanalinseln – ebenfalls ein ganz besonderes Segelrevier aufgrund eines enormen Tidenhubs von bis zu 12 Metern und außerordentlichen Strömungen bis zu 12 (!) Knoten. Und zwischen den Inseln Unterwasserfelsen…
Hallo ihr Beiden! Ein toller Bericht! So ähnlich ist es uns auch ergangen, wir sind in 2 Wochen Urlaub bis Dover und zurück nach Lemmer gesegelt, allerdings durch das Verkehrstrennungsgebiet. Dank AIS war es problemlos. Vielleicht machen wir es auch mal wie ihr, um weiter zu kommen.
Ganz viele Grüße aus dem Heimathafen,
Tina & Klaus von der MENAMi
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