Etappe: A Coruna – Rias – Kap Finisterre – Illas Atlanticas (Spanien)
Die Costa da Morte
Die Costa da Morte, die „Todesküste“, ist der westlich von A Coruna und dem Kap Finisterre gelegene Teil der Küste Galiciens im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Ihren Namen erhielt sie wegen der schwierigen Bedingungen für die Seefahrt und den daraus resultierenden Schiffbrüchen und Toten. Der Küstenlinie sind fast keine Inseln vorgelagert. Eine der größten Buchten ist die Ria Camarinas – unser nächstes Etappenziel.
2 Tage Großstadtfeeling waren uns genug. Wir haben die Aurora Maris in eine Bucht nordöstlich von A Coruna verholt und den Abend sowie die Nacht vor Anker liegend mit Blick auf das Lichtermeer der City verbracht. Früh am nächsten Morgen (2. September 2017) gehen wir mit dem Ebbstrom vorbei am Torre de Hercules gen Westen. Die Segel werden kaum von der leichten Brise gefüllt. Nur langsam nähern wir uns unserem Ziel, der rund 50 Seemeilen entfernten Ria Camarinas (Ria=Flussmündung) an der Costa da Morte.
Bei der Ansteuerung gilt unsere Konzentration ganz den Landmarken, die uns den Weg vorbei an den Untiefen und vorgelagerten Felsen weisen sollen… so ganz blind vertrauen wir dann doch nicht dem Kartenplotter und den digitalen Navigationshilfen. Aber es ist schon verblüffend, wie gut und verlässlich die Technik inzwischen geworden ist und wie korrekt die Schiffsposition dargestellt wird.
Tief in der Bucht, eingerahmt von Wäldern, die sich an Hügeln hochziehen, finden wir einen geschützten, absolut ruhigen Ankerplatz. Bunt getünchte Häuser – blau, rot, grün, gelb – schmiegen sich dicht aneinander und verleihen dem Ort mit dem wohlklingenden Namen Camarinas etwas Farbe. Das triste Dasein dieses Städtchens – leerstehende Häuser, unvollendete längst in die Jahre gekommene Neubauruinen, bröckelnde Fassaden – zeigt sich uns erst am nächsten Tag auf unserem Landgang. Hier bekommt der Name „Costa da Morte“ eine andere Dimension. Zudem hängen die Wolken tief über dem Ort. Seichter Nieselregen – der erste verregnete Tag seit Törnbeginn – passt zum restlichen Stimmungsbild.
Aber: der ortsansässige Club Nautico lebt und hat eine ganz hervorragende Küche. Andrea schlemmt Gambas. Chris vertraut auf die Empfehlung des Kellners und wird nicht enttäuscht.
Am nächsten Morgen hängen die Wolken noch tiefer. Dichter Nebel über der Wasseroberfläche gibt teilweise einzelne Ausschnitte mit Blick auf einen Hügel, eine Turmspitze oder in der Nähe ankernde Yachten frei, um sich dann wieder zu verdichten. Ein Naturschauspiel. Doch wir wollen weiter und laufen aus. Auch auf See werden wir immer wieder von dichten Nebelfeldern verschluckt. Unser AIS-Receiver hilft hier weiter, zeigt uns Yachten und Fischer in der Nähe an – sofern sie denn mit einem Sender ausgestattet sind. Die Augen und Ohren sind daher „auf Obacht“ gestellt, um einem eventuellen Hindernis auf Kollisionskurs ausweichen zu können.
Ohnehin sind wir heute etwas angespannt: die Umrundung des berühmt-berüchtigten Kap Finisterre – das „Ende der Erde“ – steht auf dem Plan.
Kap Finisterre – das „Ende der Erde“
Vorbelastet durch die Tipps und Hinweise aus nautischen Unterlagen, Revierführern und Reiseberichten machen wir uns auf Unvorhergesehenes gefasst: es wird berichtet von plötzlich auftretendem Starkwind, hohen Wellen und sonstigen Unannehmlichkeiten. Bei uns zeigt sich die See ruhig, zwar eine hohe Dünung von ca. 2 Metern, aber bei der langen Welle ist diese kaum spürbar. Was sich uns nicht zeigt ist aber das Kap: rechtzeitig zu unserer Rundung zieht wieder dichter Nebel auf.
Wir steuern tief in eine Bucht nord-östlich des Kaps und erkunden Kap Finisterre am nächsten Tag auf einer ausgedehnten Radtour, die uns durch Eukalyptuswälder und Pinienhaine bis an das „Ende der Erde“ führt.
Kap Finisterre ist gleichzeitig auch das Ende des Jakobswegs, und so begegnen wir hier vielen Pilgern, die Leben in die engen Gassen dieses hübschen Städtchens bringen. Finisterre und die Umgebung laden einerseits zum Verweilen ein, doch der Törnplan und ein für den nächsten Tag günstiger Wind drängen uns. Zudem sind wir gespannt auf die Illas Atlanticas, von denen wir erstmals in A Coruna gehört haben. In einem Naturpark gelegen erfordern die Inseln ein Permit sowie eine Ankergenehmigung, die wir online beantragen und prompt am nächsten Tag per E-Mail erhalten. Nicht nur schnell, sondern auch noch ganz ohne Gebühren und Kosten. Wir sind begeistert von der spanischen Bürokratie.
Illas Atlanticas
Rund 40 Seemeilen sind es bis zu der kleinen Inselgruppe, die die Rias und das Festland vor den Atlantikwellen schützen. Bei Nordost 4 Beaufort lassen wir uns nur unter Genua ziehen. Mit achterlicher Welle erreichen wir teils über 7 Knoten Fahrt. Eine Delfineschule findet Gefallen daran, uns zu begleiten und so schwimmen sie in 4-er Gruppe dicht unter unserem Heck mit uns mit. Zwischen den Inseln frischt der Wind ordentlich auf, Kap- und Düseneffekte schicken uns Böen mit 6 Windstärken.
Die Insel unserer Wahl ist die Illa Ons, Teil des Nationalparks mit lediglich 5 permanenten Einwohnern, laut Wikipedia. Die Illa Ons enttäuscht unsere Erwartungshaltung nicht: ein kleiner alter Ortskern mit 3, 4 Bars und Restaurants für Tagestouristen, eine kleine alte Kirche, hübsche Buchten mit Badestränden und eine Hügellandschaft mit kleinen Wäldchen. Auf der mit rund 120 Metern höchsten Stelle steht der richtungsweisende Leuchtturm.
Die Illa Ons hat unsere Herzen erobert. Kurz entschlossen verbringen wir hier an einer Mooring liegend die Nacht. Lassen uns bei Vollmond vom Nord-Ost-Wind ordentlich durchschaukeln – eine bessere Vorbereitung für die nächste Atlantiketappe gibt es nicht. Schon morgen wollen wir weiter Richtung Porto und Lissabon mit Zwischenstopp in Viana do Castelo.
Und wieder sind wir sehr gespannt, denn auch von der portugiesischen Atlantikküste und den speziellen Herausforderungen haben wir vorab in der nautischen Literatur gelesen. Die Windankündigungen sind gut: Nordwestliche Winde mit 4 bis 5 Beaufort – was wollen wir mehr.
Fotostrecke: A Coruna – Rias – Kap Finisterre – Illas Atlanticas
Toll, echt toll. Es liest sich immer wieder so nett…!!
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Hallo ihr beiden,
wir lesen immer wieder gerne eure Berichte und verfolgen mit Spannung eure weitere Tour. Wir wünschen weiterhin viel Spaß und alles Gute. Viele Grüße Silvia und Andreas
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Hallo Christoph,
happy Birthday zu Deinem runden Geburtstag.
Ich gehe davon aus, dass heute die Sektkorken
an Bord knallen und Andrea Dir einen Pflaumen-
kuchen gebacken hat.
Eure Berichte und Fotos sind ein Traum, besonders
wenn man sie vom Sofa aus verfolgen kann. Wir
bleiben dran und wünschen Euch weiter Mast und
Schotbruch.
Tina & Willi
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Das Geburtstagskind dankt herzlich für die Glückwünsche. Andrea hat tatsächlich einen Geburtstagskuchen gebacken – mit selbst geernteten, echten portugiesischen Äpfeln. Liegen z.Zt. in Porto vor Anker, Sightseeing steht auf dem Programm.
LG Andrea + Chris
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Hallo Christoph, auch von den Michels herzlichste Geburtstagswünsche. Wie wir lesen fehlt es dir an nichts und läßt dich von Andrea verwöhnen. Wir hoffen, dass eure Tour weiter so gut läuft.
Viele Grüße Heike und Reinhard
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