Etappe: Illas Atlanticas – Viana do Castelo – Porto – Peniche.
Die portugiesischen Häfen liegen zumeist direkt an der Atlantikküste. Ohne Schutz durch vorgelagerte Inseln sind sie den Wellen des Ozeans unmittelbar ausgesetzt. Insbesondere bei westlichen Winden kann hier hoher Schwell mit bei Starkwind brandenden Seen entstehen. Zudem herrschen in den Nachmittagsstunden bis zum Abend verstärkt thermische Winde – bedingt durch extrem hohe Temperaturen weit im Landesinneren bei gleichzeitig niedrigen Temperaturen auf See. Windstärken von 4 bis 5 Beaufort können zuweilen unvermittelt binnen Minuten auf 6 bis 7 und mehr Beaufort ansteigen. Viele Häfen schließen dann, weil die Ansteuerung in Schwell oder gar brandenden Seen gefährlich wird. Durchschnittlich geht in diesem Revier jährlich 1 Yacht verloren, teils mit tödlichem Ausgang für die Crew, warnt unser Revierführer.
Segeln an Portugals Nord-West-Küste
Mit diesem Wissen und hoffentlich ausreichend vorbereitet verlassen wir am Freitagmorgen (8. September) kurz nach Sonnenaufgang um 8.00 Uhr die Illa Ons an der spanischen Küste bei angekündigtem Wind um 4 Beaufort aus nördlichen Richtungen. Lediglich WetterOnline.de warnt für den Nachmittag vor Böen von 50 km/h (6-7 Beaufort) für die Region um Viana do Castelo, unserem rund 40 Seemeilen entfernten Zielhafen. Aber es sind ja nur Böen, zudem von achtern. Das tangiert uns weniger – meinen wir. Zudem ist die Hafeneinfahrt von Viana do Castelo breit und mit einem weit ins Meer ragenden Wellenbrecher versehen. Bei vermutlich zu erreichenden 6-7 Knoten Fahrt nehmen wir an, bereits in den frühen Mittagsstunden unser Ziel zu erreichen, noch vor den vermeintlich zu erwartenden Böen…
Noch an der Mooring setzen wir das Großsegel. Zwischen der Illa Ons und der Illa Cies gehen wir hinter dem zwischen den Inseln liegendem Verkehrstrennungsgebiet auf den Atlantik hinaus, der uns mit einer langen, sanften Dünung in Empfang nimmt. So früh am Morgen ist noch wenig los. Lediglich ein paar Fischer, die ihre prall gefüllten Netze aus dem Meer ziehen, begegnen uns. Und westlich der Illa Ons ein Kriegsschiff, das kurz zuvor über VHF CH 16 (Funk, Kanal 16) Übungen angekündigt und um Abstandhaltung gebeten hat.
Der achterliche Wind kommt schwächer als angekündigt. Damit verschiebt sich unsere Ankunftszeit. Delfine sorgen für Zeitvertreib. Wir segeln dicht unter Land und genießen die Aussicht auf die hügelige Küste. Die Sonne scheint. Es ist warm. Alles gut. Nur etwas mehr Wind steht auf der Wunschliste. Der kommt dann wie aus heiterem Himmel rund 5 Seemeilen vor unserem Zielhafen und erreicht innerhalb kurzer Zeit Stärken von 7 Beaufort in Böen – so, wie es in der Literatur beschrieben ist! Bereits morgens hatten wir das 1. Reff in das Groß eingebunden, damit das Segel bei achterlichem Wind auf Schaukelkurs nicht so nervig schlägt. Nun nehmen wir die Genua komplett weg, reduzieren damit unsere Windangriffsfläche. Nach Passieren des Molenkopfes in ausreichendem Abstand heißt es hoch am Wind gegenan. Wider Erwarten sind auch hier hinter der Mole noch spitze, kleine Wellen, die unsere Fahrt bremsen. Bei nur noch 1 Knoten Fahrt durch’s Wasser muss der Motor unterstützen. Bis zum Hafen ist es nicht mehr weit. Dennoch zieht sich der Weg.
Viana do Castelo – historisch & traditionell
Wir gehen längsseits an einer schwedischen Yacht vor einer Autobahn-Eisenbahn-Brücke konstruiert von dem Eiffelturmerbauer Gustaf Eiffel. Die über den Rio Lima führende Brücke zeigt unverkennbare Ähnlichkeiten mit dem Turm in Paris. Das Besondere an der Brücke: auf 2 Ebenen fahren hier PKW (oben) und Eisenbahnen (unten). Auch ansonsten hat Viana do Castelo, das zu den hübschesten Städten im Norden Portugals zählt, zahlreiche imposante historische Bauwerke, die wir noch am gleichen Abend sowie am nächsten Tag auf unserem Landgang aufsuchen:
Wir schlendern durch die engen Gassen des historischen Stadtzentrums, in dessen Herzen der Platz des Praça da República mit einem Brunnendenkmal aus dem 16. Jahrhundert steht. Das alte Rathaus, wappenverzierte Paläste, mit Azulejos verkleidete Fassaden prägen das Bild der Stadt. An diesem Samstag präsentieren die Einheimischen in Trachten portugiesische Spezialitäten und lautstarke musikalische Unterhaltung. Hinter dem Bahnhof führt eine Seilbahn auf den Monte de Santa Luzia mit der gleichnamigen Basilika. Die Wallfahrtskirche sowie die Aussicht von dem Berg lohnen sich.
In einem kleinen Restaurant essen wir bei Fado-Musik gegrillte Dorade. Zum Dessert spendiert der Wirt einen hervorragenden Portwein. Nach Einbruch der Dunkelheit bieten Flyboard-Artisten eine Show bei (Live-)Musik auf dem Rio Lima.
Porto – eine Stadt, die begeistert
“Viana ist klasse”, lautet unser Urteil. „Ein Knüller“ allerdings ist Porto, die Stadt am Rio Douro, nach der Portugal benannt wurde. Die rund 35 Seemeilen legen wir bei Flaute unter Motor zurück. Wir ankern im benachbarten Hafen von Leixoes, von wo aus wir mit den Bordfahrrädern auf der Uferpromenade entlang des Atlantiks und des Rio Douro eine Radtour bis in die Altstadt Portos machen. Mit einem 22-Euro-Ticket für eine Stadtrundfahrt mit Audioguide, Schiffsfahrt auf dem Rio nebst Besuch eines Weinkellers mit anschließender Portweinprobe absolvieren wir ein 48-Stunden-Crashprogramm. Die Eindrücke der Stadt lassen sich kaum mit wenigen Worten zusammenfassen. Die Bilder sprechen für sich…
Morbider Charme vs. Modern Life Style
Schon in Viana do Castelo hat uns das Nebeneinander – oder besser: Miteinander – des alten Portugals mit seinem morbidem Charme und das neue Portugal mit modernem Life Style fasziniert. Auf der einen Seite finden sich überall die schmalen Gassen mit alten, teilweise maroden oder auch restaurierten historischen Fassaden, einfachstem Lebensstils. Da grillen mittags die Einheimischen in Straßenbars den von den Fischern über Nacht heimgebrachten frischen Fisch. Auf der anderen Seite die Bars in modernem Ambiente mit Musik zum Chillen. Es wird investiert – mit EU-Mitteln – in moderne Infrastrukturen. Ein Beispiel hierfür ist auch der Bau des gewaltigen Terminals in Leixoes (bei Porto), der eigens für die hier anlandenden Passagiere der Kreuzfahrtschiffe errichtet wurde. Bezeichnend auch die in diesem Umkreis neu gepflasterten Bürgersteige und neu gestalteten Straßenzüge, auf denen die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe flanieren. Gleichzeitig bleibt das alte Portugal mit seinem Eigentümlichkeiten erhalten. Traditionen und Bräuche werden gepflegt. Gerade das macht den Reiz dieses Landes aus. Und nicht zuletzt die Freundlichkeit der Portugiesen. Aufmerksam, zuvorkommend und hilfsbereit.
Wir sind ziemlich begeistert von diesem tollen Land. Aber viel Zeit zum Verweilen haben wir nicht, wir sind quasi auf der Durchreise. Am 13. September setzen wir unseren Törn fort, um nach Zwischenstopps in Figuera da Foz und Peniche als nächstes Lissabon anlaufen. Nebel am Morgen, Flaute in den Vormittagsstunden und ab Mittag einsetzende frische Winde aus weiterhin nördlichen Richtungen prägen unsere Segeltage, immer wieder begleitet von Delfinen. Seglern begegnen wir auf dem Wasser selten. Aber in den Häfen bietet sich dann ein internationales Bild der Seglerszene, vorrangig Skandinaven, Engländer, Holländer, einige Deutsche und ab und zu ein US-Segler. Teilweise führen sie die große ARC-Flagge unter der Backbordsaling und zeigen damit ihre Intention zur Atlantikquerung im Rahmen der Regatta, die alljährlich Mitte November mit inzwischen rund 300 Teilnehmern auf Gran Canaria startet.
Angekündigter Starkwind legt uns eine Zwangspause auf
Momentan wütet auf der anderen Seite des Atlantiks Hurrikan Irma und verwüstet die karibischen Inseln sowie Florida. Wir sind soweit von Stürmen verschont geblieben, allerdings meldet der Wetterbericht nun für die nächsten 2 Tage Starkwind. Bevor uns die ersten heftigen Böen erreichen passieren wir das rund 50 Meilen vor Lissabon gelegene Cabo Carvoeiro. Gleich hinter dem Kap liegt der kleine Ort Peniche. Hier wollen wir abwettern und die Zeit nutzen, um Schiff und Crew von der Salzkruste zu befreien und die Eindrücke der zurückliegenden 42 Segeltage zu verarbeiten…
Fotostrecke: Portugal – Viana do Castelo und Porto
Ahoi,
danke für Euern weiteren Fahrtenbericht.
Bemerkenswert ist die gringe Durchfahrthöhe durch die Eiffel-Brücke für die Schifffahrt. Oder täuscht das Foto?
Eure Fotos habe ich mir mit großem Interesse angesehen, und sie bestätigen die Beschreibung Eurer Erlebnisse.
Ahoi
Peter
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Ahoi!
Tatsächlich haben wir nicht ein einziges Schiff gesehen, dass flussaufwärts gefahren ist. Das liegt u.a. auch an den beachtlichen Strömungen, die hier in den Flussmündungen sind. Wir haben vor der Marina – die zu diesem Zeitpunkt extremes Niedrigwasser von unter 2 Metern hatte – an einem Schwimmsteg im Päckchen gelegen. Wir waren erstaunt, wie Stark der Strom hier setzte. Gefühlt bestimmt 5 Knoten.
Im Übrigen liegen alle Häfen – Sportboot wie Berufsschifffahrt – vor dieser Brücke.
Liebe Grüße, (z. Zt. auf See)
Andrea & Christoph
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