Etappe BVI – Dominikanische Republik – Bahamas.
Diebstähle von Dinghys, Yachtausrüstung oder auch Segelyachten sind in der Bucht von Samana im Nord-Osten der Dominikanischen Republik nicht unbekannt. In der Reiseliteratur wird Touristen davon abgeraten, sich nachts auf den Straßen aufzuhalten. Auch seglerisch ist die Dom-Rep nicht ohne: Am Cabo Cabron im Nord-Osten der Insel beschleunigen angekündigte 15 Knoten Wind zuweilen auf 32 Knoten und mehr (Kapeffekt). Geschützte Ankerbuchten gibt es an der Nordküste nicht, Marinas sind rar und teuer. Alles Gründe, warum wir vor Beginn unseres Atlantiksegeltörns die Dom-Rep an der Grenze zum politisch labilen Haiti nicht mit in unsere Planung aufgenommen haben. Aber nun sind wir doch hier gelandet und finden uns in einem Seglerparadies… Wir sind uns nicht sicher, ob allein der angekündigte Starkwind ausschlaggebend war, die geschützte Bahia de Samana anzulaufen, oder ob doch ein kleines bisschen Abenteuerlust Triebfeder war. Aber – der Reihe nach….
Leinen los, Kurs Nord-Nord-West
Jost van Dyke lassen wir am 21. Januar an Steuerbord liegen und gehen bei 3 bis 4 Windstärken aus Ost auf den offenen aber nur leicht bewegten Atlantik hinaus. Dann heißt es Kurs West-Nord-West, rund 280 Seemeilen liegen vor uns. Wir segeln in Küstennähe bei nahezu Glattwasser unter Passatbesegelung (die Genua an Backbord, die kleine Arbeitsfock an Steuerbord ausgebaumt), vorbei an den American Virgin Islands und vielen kleinen Inselchen. Nach rund 50 Seemeilen erreichen wir Backbord voraus Puerto Rico bei Sonnenuntergang. Der Himmel färbt sich bunt, das Meer spiegelt die Farben entsprechend wider. Aus dem Cockpitlautsprecher raunt Vaja con Dias passend zur Szenerie „Aye-Aye-Aye-Aye Puerto Rico“. Ein Sundowner macht den Segeltag perfekt.
Es folgt eine nicht minder schöne Segelnacht. Der Wind frischt auf 5 bis 6 Beaufort auf, wir machen 7, teilweise 8 Knoten Fahrt. Der als dünne Sichel im Osten aufziehende Mond leuchtet uns den Weg. Kein Regen, keine Squalls, kurze Hose, T-Shirt – alles gut. Über Puerto Rico schwebt eine helle Lichtkuppel, darüber ein dünnes, schwarzes Wolkenband, auf dem das Kreuz des Südens steht. Das sind seglerische Momente, die nachhaltig wirken und für Strapazen und Unannehmlichkeiten, die die Langfahrt zweifelsfrei mit sich bringt, entschädigen. Fast vergessen ist die Salzkruste auf Haut und Haar, die bei Nacht spürbare Feuchtigkeit in Kleidung und Bettwäsche.
Ein paar Kreuzfahrtschiffe in Sichtweite sorgen für Abwechslung und Kurzweile. Die 3 Stunden der ersten Wache vergehen schnell.
Nachdem der 2. Tag auf See überwiegend von mäßigen Winden und saumäßigem Wetter (ja, es regnet wieder!) bestimmt wird, erleben wir nachts im silbernen Mondlicht bei auffrischenden, 5 bis 6 Windstärken von achtern das Segeln wieder in seiner schönsten Form. Die Welle schiebt ordentlich mit und die Aurora Maris gleitet mit 7, zuweilen sogar 8 Knoten Fahrt durch die phosporisierte See. Dazu werden uns Sternschnuppen serviert.
Am Vormittag des 3. Tages steuern wir die gut 30 Seemeilen tiefe und 20 Meilen breite Bucht von Samana im Osten der Dominikanischen Republik an. Saftig grüne Wälder und wild-romantische Palmen säumen das bergige Ufer. An die Bergrücken schmiegen sich ein paar wenige Häuser. Der Hurrikan hat die Insel offensichtlich verschont und einen großen Bogen darum gemacht, so berichten uns später die Locals. Durch das Fernglas erblicken wir kleine Sandbuchten mit gold leuchtendem Strand, auf dem Fischer ihre bunten Boote lagern.
Nach insgesamt 50 Stunden und 273 Seemeilen gehen wir im Nordwesten der Bahia de Samana vor der quirrligen Stadt Santa Barbara vor Anker. 1 Dutzend Touristenboote haben hier ihren Mooringplatz, ebenso eine Handvoll Segelyachten. Letztere sind komplett unbewohnt, die Segel abgeschlagen und Bordausrüstung entfernt. Nur eine kleine Fahrtenyacht mit holländischer Nationale liegt hier vor Anker. Später lernen wir die Crew kennen: eine 3-köpfige argentinische Familie, die dieses Boot am Mittelmeer gekauft und anschließend den Atlantik gequert hat.
Landfall Dom-Rep: Santa Barbara / Bahia de Samana
Noch während unseres Ankermanövers setzt sich an Land ein kleines offenes Holzboot mit 3 Mann Besatzung, darunter ein uniformierter Navy-Officer, in Bewegung und steuert auf uns zu. Neben der Aurora Maris stoppt das Boot auf. „Ola – Espanol? Inglais“? Wir erwidern in unserem „besten Spanisch den Gruß, wählen dann aber die Option „Inglais“. Das Trio stellt sich kurz vor, möchte zwecks Check-In an Bord kommen. Sie geben uns Zeit, unser Ankermanöver zu beenden, dann gehen sie längsseits, nehmen wie selbstverständlich Platz im Cockpit. Abgesehen davon, dass der Englisch-sprechende Wortführer uns über Gebühren und das Prozedere des Einklarierens informiert, erwähnt er wie beiläufig, dass wir der Navy ein „Tip“ geben könnten, wenn wir wollten. Es müsse nicht sein, aber vielleicht möchten wir ja etwas schenken. Okay, wir haben verstanden, entnehmen unserer „Mini-Bar für alle Fälle“ ein paar Fläschen Fruchtschnapps für die Navy-Officers. Für 15 US Dollar erstehen wir zudem eine Gastlandflagge, übergeben eine Crewliste nebst obligatorischen Schiffsdaten, dann ist dieser Part erledigt. Eine Frage liegt uns am Herzen: „Is this place save!“ Der Wortführer nickt. “Yes, it’s save. Stay close to the navy boats, there’s somebody all day and night. And lock your dinghy and outboard engine.“
Wir bereiten uns für unseren ersten Landgang vor, setzen mit dem Dinghy zur Stadt über. Am Steg hat uns Juan Miguel bereits heran nahen sehen. Hilfsbereit nimmt er unsere Leine an. Bestimmt hält er uns seine Hand entgegen, um uns von Bord zu helfen. Er hilft beim Anschließen des Dinghys und deutet mit gespreizten Mittel- und Zeigefinger auf seine Augen um dann mit ausgestrecktem Arm über die Bucht zu deuten. „Look, look … okay, okay:“ Viel Englisch spricht er nicht. Wir verstehen, dass er wachsam Ausschau halten wird und auf unser Dinghy aufpasst, dass er immer da ist und nachts an Bord eines der Touristenboote, die tagsüber zum Whalewatching rausfahren, schläft.
Landgang im quirrligen Santa Barbara
Um die Ankerbucht herum zieht sich die Hauptstraße des Ortes. Mopeds – zahlreicher als Autos – rasen über den Asphalt, laut hupend, mit Vollgas aufjaulend. Wieviele Menschen passen auf so ein Moped? Zwei? Weit verfehlt: 3 Erwachsene und 1 Kind – oder auch: 2 Erwachsene und 3 Kinder. (Es sind ganz normales Mopeds, keine XXL-Fahrzeuge!). So bemannt ist natürlich kein Helm oder gar Mopedkleidung erforderlich. Die Fahrtrichtung ist zuweilen sekundär, man fährt auch schon mal ganz gerne gegen die Hauptverkehrsrichtung. Ampeln gibt es keine. Auch Kfz-Kennzeichen scheinen zufällig verteilt zu sein. Fahrzeugbeleuchtung bei Dunkelheit ist nicht selbstverständlich. Vorfahrt hat, wer am lautesten hupt und nicht zögert. Kurzum: es herrscht Chaos pur. Wir sehen zu, dass wir bei Einbruch der Dunkelheit zurück zum Schiff kommen.
Am nächsten Tag setzen wir unsere Ortserkundung fort und vertrauen unser Dinghy wieder Juan Miguel an, dem wir unsere letzten 2 US Dollar Cash in die Hand drücken und dafür ein dankbares Strahlen in den Augen ernten.
Der Hurrikan hat die Dom-Rep im Abstand von 80 Meilen passiert, so dass hier tatsächlich alles – nach hiesigen Maßstäben – in Takt ist. Alle Häuser sind bedacht, alle Geschäfte haben geöffnet. Es herrscht reges Treiben in den Straßen. Aus den Bars, die sich entlang der Hauptstraße drängen, schallt Musik so laut, dass das Trommelfell zu platzen droht. Mopedfahrer, scheinbar ziellos umher fahrend, preisen sich lauthals als Taxi an, sind kontinuierlich auf Kundenfang. Schuhputzer ziehen mit ihrem Equipment durch die Straßen, bieten ihre Dienste an. Mitten auf der Straße parkt ein Pickup, vollbeladen mit Ananas. Im Vorbeigehen werden Geschäfte gemacht – alles zu zivilen Preisen, immer mit einem freundlichen Gruß verbunden, zwar fordernd aber nie aufdringlich. Der Supermarkt ist gut sortiert, die wesentlichen Lebensmittel sind erhältlich, die Preise moderat.
Wir runden die Bucht weiter. Der Straßenlärm bleibt zurück, die Bebauung lockert auf und weicht Bäumen und Palmen. Am Ende findet sich am Fuße der „Bridge to Nowhere“ eine Strandbar. Auch hier versuchen Händler ihre Zigarren, Muschelketten, Ölgemälde und anderes Kunsthandwerk an den Mann zu bringen. Und man spricht Deutsch – ein 700 Betten All-Inclusive-Hotel findet sich ganz in der Nähe, das erklärt die Sprachkenntnisse.
Wir steigen die Treppenstufen zur Brücke hinauf, die 3 kleine Inselchen, nur wenige hundert Meter im Druchmesser groß, miteinander verbindet. Auf den Inselchen herrscht Natur pur: Palmen und exotische Pflanzen in sattem Grün, darüber ziehen vor blauem Himmel Fregattvögel ihre Kreise. Welch ein Kontrast zu der lauten Stadt. Gestärkt mit Papageienfisch und Pinacolada, serviert in einer frisch ausgehöhlten Ananas, verlassen wir diesen idyllischen Ort und kehren zur Aurora Maris zurück.
Bahia de Lorenzo: Naturidylle pur
Noch eine Nacht verbringen wir hier, dann zieht es uns in die Natur, gut 12 Meilen weiter südwestlich in die Bahia de Lorenzo – den Ort, den wir laut Revierführer nicht verpassen sollten, denn es gäbe keine Superlative, die diesem Naturidyll gerecht werden. Der Revierführer übertreibt nicht: In der tiefen Bucht findet sich auf der einen Seite eine von Mangroven bewachsene Landzunge, auf der anderen die von spitzen Hügeln mit prächtigen Palmen und Bäumen in sattem Grün gesäumte Steilküste. Oberhalb der Wasserlinie ausgehöhltes schroffes Felsgestein und zahlreiche Grotten. Vorgelagert ein paar winzige Inselchen, die von Pelikanen, Fregattvögeln, Bussarden, Reihern und anderem Gefieder besiedelt sind. Eine alte, größtenteils versunkene Dockanlage, von der nur noch die Poller stehen, zieht sich die Bucht, die am Ende von 5 Meter Wassertiefe auf unter 3 Meter abflacht. Wir gehen bei einem in die Bucht mündenden Flusslauf vor Anker und erkunden mit dem Dinghy die Mangroven – zunächst noch unter Motor, dann aber schalten wir den Krachmacher aus, bewegen uns paddelnd durch die verwurzelten Mangroven fort, die über unseren Köpfen ein geschlossenes Dach bilden. Vereinzelt sind Vogellaute zu hören, ansonsten herrscht pure Stille in Dschungelumgebung.
Für die Nacht verholen wir die Aurora Maris hinter ein kleines, vor Schwell Schutz bietendes Inselchen, unweit der Felsküste. Die Bucht gehört uns. Keine Menschenseele weit und breit. Nur die Pelikane, Fregattvögel und sonstiges Vogelgetier. Erst am nächsten Morgen kommen winkend und freundlich grüßend ein paar kleine Touristenboote dicht an uns vorbei. Ihr Ziel: die Höhlen von Los Haitos, gleich um die nächste Ecke. Auch wir haben dieses Tagesziel. Nach morgendlichem Bald in trüb-grünem aber dennoch sauberem Wasser begeben auch wir uns Richtung Höhlen. Ein geschäftstüchtiger Guide bietet uns seine Führungsdienste an und zeigt uns den Weg durch die Höhle mit Felsenzeichnungen aus der Indio-Zeit.
Ein weiteres Highlight ist die Oase auf der Mangrovenlandzunge, zu der wir uns am nächsten Nachmittag verholen: unter Palmen gehen wir über eine Steg-Brücke, gebaut aus altem Geäst, über das flache Wasser hinüber zur anderen Uferseite. Die offensichtlich für Touristen geschaffene Erholungsoase ist am späten Nachmittag menschenverlassen, bewacht von 2 kläffenden, zähnefletschenden Hunden, bei denen wir zunächst Respekt verschaffen müssen, um unbehelligt die nur ein-, zweihundert Meter breite Landzunge erkunden zu können. Die Aurora Maris liegt vor Anker in dieser vor Wind und Welle Schutz bietenden Bucht
Sicherheitsmaßnahmen
Vor dem Schlafengehen ergreifen wir wieder unsere allnächtlichen Sicherheitsmaßnahmen: das Dinghy wird an Bord auf dem Vorschiff gelagert, die Luft in einer Kammer abgelassen und natürlich angeschlossen; Luken werden lediglich auf Lüftungsschlitz gestellt und von innen zusätzlich gesichert und – last but not least – kommt Andreas Alarmanlage Marke Angelschnur-Geflecht-quer-durchs-Cockpilt-mit-Topf-Geschepper zum Einsatz.
Aprilwetter in der Dom-Rep – Wir machen unsere Hausaufgaben für die Bahamas
Der Durchzug des angekündigten Tiefs hat uns in den letzten Tagen nicht nur viel Wind beschert mit bis zu 35 Knoten sondern auch Regen, der sich wie aus Eimern über uns ergießt. Ein zusätzlich ausgebrachter 2. Anker hat uns Sicherheit gebracht und die Ankerwache erspart. Geschützt unter Deck haben wir Zeit gefunden, uns in die Seekarten der Bahamas einzuarbeiten und unseren weiteren Törn vorzubereiten.
Rückblick: „Are you crazy? Bahamas? How deep is your boat?“ hatte uns ein Amerikaner in Foxy’s Bar in den BVIs auf Jost van Dyke beim Barbecue gefragt. Die kritische Nachfrage hatte uns doch stark verunsichert, und beim ersten intensiveren Studium der Karten hätten wir beinahe unsere Pläne, quer durch die Gruppe der rund 700 Inseln und Inselchen gespickt mit vorgelagerten Korallenköpfen und Riffen zu gehen, verworfen. Die Wassertiefen steigen von 1000 Meter binnen kürzester Distanz steil auf nur 3 Meter und weniger an. Die Passage zwischen den Cays unterschreitet häufig die 2 Meter Wasserlinie und ist damit für uns ausgeschlossen. Aber es gibt auch einige Cays und Ankerplätze, die wir auch mit unserem Tiefgang von 1,75 Meter erreichen können. Man muss eben nur gründlich seine Hausaufgaben machen, das Wetter (zu viel Wind verursacht brandende Seen bei der Ansteuerung), die Gezeiten und die Seekarten gut im Auge behalten. Unsere Segelerfahrung im niederländischen Strom- und Tidenrevier kommt uns bei der Törnvorbereitung zugute.
Zwei Tage sind wir also gut mit Passage Planning, natürlich mit Unterbrechung, zwischen den ausgiebigen Regenschauern finden wir immer wieder Zeit, in dieses wunderbare Land mit seinen freundlichen Menschen und unglaublich schönen Natur einzutauchen. Dann kreuzen wir bei 6 Beaufort (in Böen 7) gegen den Wind und die kabbelige, spritzende Welle zurück gen Santa Barbara. Hier wollen wir uns unseren Proviant aufstocken und bei der Navy ausklarieren.
Ausklarieren
„Was ist Ihr nächster Hafen?“ „Great Inauga“ „Wann kommen Sie dort an?“ Eh, wann kommen wir dort an? Keine Ahnung „In 3 Tagen.“ „Um wieviel Uhr?“ Die Dame von der Navy will es beim Ausklarieren aber ganz genau wissen. Wir verständigen uns in einem Kauderwelsch aus Spanisch, Englisch sowie Händen und Füßen. Zwischendurch springt ein weiterer Kunde ein und übersetzt. Wir erklären, dass wir wind- und wetterabhängig sind, weil wir mit einem Segelboot hier sind. Die Augenbrauen der Navy-Dame und des Übersetzers gehen hoch. „Wow, so lange auf dem Wasser!?“
Uns wird einmal mehr bestätigt, dass es nicht viele Fahrtensegler in dieses Revier verschlägt. Die Erklärung liefert uns der Kanadier John, den wir abends in einer Bar kennenlernen und der seit 8 Jahren auf der Insel lebt: „It’s the bad reputation of the harbour.“ Nicht nur Dinghy-Diebstahl gäbe es. Seinem Freund Jeff, dem die Yacht an der Mooring nicht weit von uns gehört, habe man 2 Mal das komplette Boot ausgeräumt. Er will sogleich den Kontakt zwischen uns und Jeff herstellen, damit wir uns Tipps einholen können. Nach insgesamt 7 Nächten, die wir bereits vor Anker in unmittelbarer Nähe der rund um die Uhr bemannten Marineboote oder auch in einsamen Buchten verbracht haben, setzen wir jedoch darauf, dass auch unsere letzte Nacht hier problemlos verlaufen wird – natürlich mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen
Eine Woche lang haben wir den Wetterbericht fest im Auge behalten und täglich mehrfach verschiedene Quellen angezapft, um das passende Zeitfenster für die rund 300 Seemeilen lange Etappe zu den Bahamas zu finden. Dem angekündigten Starkwind folgte eine ausgeprägte Flaute. Unsere Weiterfahrt legen wir daher auf Mittwoch, den 31. Januar, um dann mit dem passenden Ost-Wind auf Nordwestkurs zu gehen. Wenn’s gut läuft, erreichen wir schon am Freitagabend unser Ziel, Mathew Town auf Great Inagua.
Wieder auf See: Kurs Bahamas
Die ersten 50 Meilen sind dann aber doch ziemlich zäh, der Wind bleibt komplett aus. Zwar setzen wir optimistisch das Großsegel am Ausgang der Bucht vor Santa Barbara, doch hat dieses in den nächsten 8 Stunden lediglich Stützsegelfunktion. Das heute im Regendunst verhüllte und vor vielen Jahren als Kulisse für die Baccardi-Werbung dienende Inselchen Cayo Levantado lassen wir an Steuerbord liegen, weit Ausschau haltend nach Walen, die sich in diesem Küstenstreifen bevorzugt aufhalten. Tatsächlich können wir schon bald ca. 10 Schiffslängen voraus eine Spritzfontäne ausmachen, aber bei den dunklen Regenwolken am Horizont hat der Wal anscheint nicht wirklich Lust aufzutauchen.
Ein Süßwasserregenguss ersetzt die Morgendusche und befreit nicht nur die Aurora Maris sondern auch uns von der Salzkruste. Wir fühlen uns anschließend wie neu geboren. Dann setzt sich auch die Sonne durch, Himmel und Meer erstrahlen leuchtend blau und bieten einen schönen Farbkontrast zu dem satten Grün der Kokusnusspalmen zwischen den grauen Felsen und Höhlen an den Berghängen der schroffen Küste. An den Kaps brandet weiß die See. Bei einer Seemeile Abstand zum Land haben wir genügend Spielraum, um auch bei unerwartet einsetzendem Wind in Legerwallsituation reagieren zu können. Aber Wind und Welle halten sich weiterhin zurück, so dass die Crew sich ganz der malerischen Landschaft der Dom-Rep-Küste hingeben kann.
Beim Sundowner färbt sich das Meer in Goldtönen. Die Sonne umhüllt sich mit Blumenkohlwolken, strahlt deren Konturen von hinten an und färbt den Himmel in Pastellfarben ein, wobei sie sich der gesamten Farbpalette aus dem Malkasten bedient. Jetzt noch Eiswürfel für die Pinacolada…. Aber man kann ja nicht alles haben.
Nach Sonnenuntergang (23.00 Uhr UTC) kommt dann endlich eine laue Brise auf. Mit 8 Knoten achterlichem Wind und Schiebestrom kommen wir auf 5 bis 6 Knoten Fahrt über Grund. Die See ist nur leicht bewegt, und so gleiten wir durch die leise gurgelnden Wogen im Silberschein des Vollmondes, vor den sich hin und wieder eine kleine, nahezu transparente Wolke schiebt. In der fast taghellen Nacht steht Orion hoch am Firmament. Der große Wagen steigt kurz darauf an Steuerbord senkrecht aus der See. Die Crew trägt dazu Barfuß, Shorts und T-Shirt. Erinnerungen an unsere früheren Nordseetörns bei ruppiger See, Kälte und Nässe, eingemummt in dickes Ölzeug werden wach. Welch ein Kontrast!
Im Laufe des folgenden Tages frischt der Wind kontinuierlich auf, aus 8 Knoten werden in Böen 28 Knoten Wind. Anfänglich haben wir das Groß gegen das Passatsegel getauscht und surfen mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 9 Knoten die bis zu 3 Meter hohen Wellen hinunter. Vor Einbruch der Dunkelheit bergen wir das Passatsegel, um nur unter gereffter Genua laufend flexibler auf Winddreher reagieren zu können. Und: wer weiß, was noch kommt.
Es kommt jedoch nichts, ab Mitternacht (Ortszeit) fährt der Wind allmählich einen Gang zurück.
Auf der gesamten Etappe sind uns lediglich 2 Segler begegnet. Kreuzfahrtschiffe mehren sich und noch häufiger empfängt unser AIS Signale von Frachtern. Ein paar passieren uns im Abstand von nur 1 Seemeile oder weniger. Das hält wach. Wir sind uns nicht immer sicher, ob wir tatsächlich wahrgenommen werden, oder ob der Steuermann auf den Ozeanriesen womöglich ein Nickerchen macht.
Landfall: Great Inagua / Bahamas
Great Inagua, die südlichichste Insel der Bahamas, erreichen wir nach 54 Stunden auf See. In unserem Kielwasser liegen 314 Seemeilen. Das Meer leuchtet in Blau- und Türkistönen von unglaublicher Intensität. Dazu die weiße Küstenlinie. Farben, an denen wir uns kaum satt sehen können. Wir sind gespannt auf das, was uns an Land erwartet.
Fotostrecke: Segeln & Landgang Dom-Rep
Ahoi!
Ich weiß nicht, was Eure Erlebnisse besser beschreibt: der Text oder die Fotos.
Sehr, sehr erlebnisreich rüberkommend beschrieben. Danke.
habt Glück Freude, Erfolg und allzeit die Handbreit Wasser unterm Kiel!
Es grüßt aus dem kühlen Münster
Peter
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Dankeschoen, Peter, fuer Deine lieben Worte und Feedback, die uns Ansporn sind, unsere Erlebnisse Erlebnisse weiterhin zu teilen.
Ein herzliches Dankeschoen auch an alle anderen Follower, die uns mental begleiten. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir von Euch Kommentare, Kontakt-Formulare, E-Mails etc erhalten.
Soeben haben wir mit einem Seesack voller abenteuerlicher Erlebnisse unsere 1. Bahama-Insel verlassen. Der Bericht folgt in Kuerze….
LG von der Aurora Maris Crew
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Guten Morgen aus dem sonnigen (-3 Grad) und kalten Münster. Ich kann mich ja nur wiederholen. Wunderbar, ganz wunderbar. Ein immer wieder reizvoller, spannender Reisebericht mit schönen Fotos und Texten, die einen für einen Moment wirklich dabei sein lässt! Weiterhin alles Gute! Ihr KPK
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Hallo Ihr Beiden, ich warte immer mit Spannung auf den neuesten Bericht. Heute auch wieder toll. Man kann sich alles sehr gut vorstellen. Wünsche weiterhin schöne Segeltage. Annette
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Hallo, wir sind auch immer gnaz gespannt auf den nächsten Bericht. Sie sind so lebendig geschrieben, dass man sich alles sehr gut dort vorstellen kann. Die Fotos sind klasse! Bitte weiter so, wir sind gespannt!
Alles Gute euch beiden und liebe Grüße aus der gerade bitterkalten Heimat,
Tina und Klaus von der MENAMi
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