Etappe: Miami, die Everglades, unter Segeln im ICW gen Cape Canaveral, auf dem Atlantik nach Charleston.
Dunkle Wolken hängen tief über dem Intracoastal Waterway. Eine Kabbelsee mit 60 Zentimeter hohen Wellen, von deren Kämmen waagerecht die Gischt fliegt, umgibt uns nun, wo eben noch Glattwasser und Kaffeesegeln bei gemütlichen 3 Windstärken aus Süd-West angesagt war. Dicke Regentropfen prasseln auf uns nieder aus dichten, tief hängenden Wolken, die die Sicht auf weniger als 50 Meter absenken. Um uns herum grollen laute Donner. Der Wind hat auf Nord gedreht und pfeift uns in Böen mit 43 Knoten (9 Beaufort!) und mehr direkt auf die Nase. Blitze zucken durch die dichte graue Wolkendecke. Wir schalten die Navigationsinstrumente und das Funkgerät aus, ziehen das Antennenkabel aus dem Splitter und hoffen, nicht zum Zielobjekt der Blitze zu werden. Das Unwetter kommen sehend, haben wir wohlweislich die Segel geborgen und direkt neben dem Fahrwasser nahe einem Schutz bietenden Hochspannungsmasten den Anker auf 2,5 Meter Wassertiefe ausgebracht. Nun harren wir der Dinge, die da kommen mögen und wettern unter Deck ab. Die Gedanken schweifen noch einmal zurück und lassen unsere Tage im Sonnenstaat Florida Revue passieren: die Everglades mit den Alligatoren und der Airboat-Tour, das 4-Sterne-Frühstück in Miami, das Wiedersehen in Nettles Island Marina, die Vorbereitungen an Bord für die nächste Segeletappe, unsere virtuelle Raketentour mit Expedition zum Mars und Mond…Ja, unser Segelabenteuer geht weiter und fängt richtig gut an!
Wildlife und Wilderness in den Everglades
Feuchtwarme Luft schlägt uns entgegen, als wir den Flughafenterminal Miamis verlassen. Wir flüchten uns vor der tropischen Hitze in den Mietwagen, mit dem wir in den nächsten 3 Tagen die Everglades und Miami erkunden wollen. Gleich am nächsten Tag geht’s los in das von Miami gut 1 Autostunde entfernte Schilfgebiet. Nur wenige Kilometer hinter dem Eingang des National Parks lockt der Anhinga Trail, benannt nach dem hier angesiedelten Vogel, zu einer atemberaubenden Wanderung, so der Reiseführer – und wir werden nicht enttäuscht! Uns unbekannte Vögel hocken am Ufer, räkeln sich mit ausgebreiteten Flügeln in der Sonne. Andere kreisen über den Wasserflächen, bevor sie hoch in den Baumkronen anlanden. Und wieder andere ziehen ihre Jungen in Nestern auf. Während dessen dümpeln im grünen, glasklaren Wasser Schildkröten, naschen von den Seerosenblüten, offensichtlich ein Leckerbissen, sonst würden sie wohl kaum so ausdauernd mit ausgestrecktem Hals aus dem Wasser auftauchend nach dem gelben Gemüse schnappen. Auch zahlreiche Fische ziehen auf Nahrungssuche ihre Bahnen durch das Nass. Ab und an luken Augenpaare aus der Wasseroberfläche zwischen den Seerosenblättern im bewegungslosen Wasser hervor. Alligatoren! Langsam nimmt einer von ihnen Fahrt auf, ganz geräuschlos und sanft gleitet er durch durch Seerosen und Schilfgras. Nur ein paar Meter weiter haben sich gleich 14 Alligatoren zur Mittagsruhe zusammengefunden. Auch sie bewegen sich kaum, liegen relaxed in der Sonne, öffnen nur vereinzelt und dann auch nur ganz allmählich ihr großes Maul, zeigen ihre scharfen Beißer. Andere machen nur einen Augenaufschlag. Die Ruhe und der Frieden trügen: immerhin sollen die bis zu 4 Meter langen Alligatoren an Land rund 35 Stundenkilometer auf die Bahn bringen können. Wie empfohlen halten wir also vorsichtshalber Sicherheitsabstand.
Airboat-Tour, Alligatorfarm & Schlangenshow
Wir setzen unsere Exkursion mit dem Auto durch die Everglades bis ganz in den Süden Floridas fort. Am Wegesrand laden Trails mit geheimnisvollen Namen indianischen Ursprungs wie Pa-hay-okee Overlook und Mahogany Hammock zu weiteren Wanderungen durch die Landschaft ein. Die Wege führen zuweilen durch dschungelartiges Dickicht mit tropischem Gehölz, Mangrovenlandschaften oder ausgedehnte Süßwasser-Mergelprärie. Mit vielen neuen Eindrücken und schönen Bildern – im Kopf sowie in der Kamera – kommen wir abends platt in unserem Hotel an, nicht zuletzt aufgrund des feucht-tropischen Klimas. Aber am nächsten Tag setzen wir unsere Everglades-Exkursion mit dem Besuch einer Alligator-Farm und Schlangenshow fort. Highlight des Tages ist eine Airboat-Tour. Zunächst nur im Schritttempo durch den schmalen Wasserlauf an Alligatoren und dichtem Buschwerk vorbei, dann auf Spitzengeschwindigkeiten beschleunigend schweben wir über die nur wenige Zentimeter mit Wasser bedeckte Schilflandschaft, um auf einer größeren Wasserfläche eine 180° Drehung hinzulegen. Das Wasser spritzt auf, insbesondere die Passagiere in der ersten Reihe haben die Dusche gratis inklusive gebucht. Ein Riesenspaß für alle. Anschließend stehen die Besichtigung der Alligator-Farm auf dem Programm mit anschließender Schlangenshow. Das Alligator-Gehege umfasst Jungtiere von nur wenigen Monaten bis hin zu einer großen Herde ausgewachsener Tiere. Wir erleben die Fütterung der Alligatoren – der Speisenplan ist nichts für Andrea – und erfahren, dass Alligatoren durchaus auch Airboats entern können. Gut zu wissen! Die Schlangenshow ist ein Mix aus Information und Unterhaltung. Jeder, der will, darf auch die Schlangen anfassen, in die Hand nehmen, sich um den Hals hängen…
Florida Keys
Bevor wir uns gen Norden und damit zur Aurora Maris begeben, wollen wir noch einen Abstecher in die Florida Keys machen, um auch von diesem Landstrich einen Eindruck zu gewinnen. Key Largo ist unser Ziel, allerdings sind unsere Bemühungen, an das Wasser bzw. die Strände zu kommen nur teilweise von Erfolg gekrönt: öffentliche Strandzugänge sind selten, Privatgrundstücke und Hotelresorts beanspruchen die 1-A-Lagen für sich und ihre Gäste.
4-Sterne-Frühstück in Miami
Auf dem Weg zurück nach Stuart in die Nettles Island Marina machen wir einen Zwischenstopp in Miami mit seinen an der Waterfront gelegenen Skyscrapern, dem Art-Déco-Viertel mit extravaganter Architektur, den Graffiti-Kunstwerken in Wynwood, der Ocean-Drive-Partymeile und nicht zuletzt dem South Beach. Aktuell sind auch Gabi und Rudi, Andreas ehemaligen Chefs aus Deutschland, in Miami Beach. Die beiden haben auf ihrem Zwischenstopp in New York bereits nach einem passenden Liegeplatz für uns Ausschau gehalten ;)) und warten nun mit einem fürstlichen Frühstück im 4 Points Sheraton auf, um die Aurora Maris Crew für die bevorstehende strapaziösere Segelreise zu stärken. Danke, Rudi & Gabi, für die Einladung;))
Wieder an Bord der Aurora Maris – Vorbereitungen für die weitere Reise
Nach weiterem Zwischenstopp bei den lokalen Supermärkten – Wallmart und Publix – sowie Aldi, um unsere Vorräte aufzustocken, kommen wir nach gut 4 Wochen wieder in unserem temporären Heimathafen Nettles Island Marina an. Eine akribisch geführte Proviant- und Stauliste soll uns in den bevorstehenden 4 Monaten unserer letzten Segeletappe Überblick über Vorräte liefern. Zusammen mit dem Verstauen des Proviants ist das ein tagesfüllendes Programm. An und unter Deck haben wir alle Hände voll zu tun. Wohlwissend, dass wir die Komfortzone verlassen werden, dass Winde, Temperaturen, Etappen anspruchsvoller werden, haben wir uns zum Austausch unseres Vorstags und Vorsegel-Furlers entschieden, der – zur Erinnerung – in Porto Santo nach einem Bruch geschweißt worden war. Kürzlich hat Chris mit der Lupe Haarrisse an der Schweißstelle entdeckt. So wollen wir unter keinen Umständen weitersegeln.
Die Bestellung und Montage des Furlers haben wir bereits von Deutschland aus organisiert. Am Freitag, den 6. April 2018, kommen die Macksails-Segelmacher wie vereinbart an Bord, um das Vorstag auszutauschen. Alles scheint perfekt zu laufen, bis auf ein kleines, aber essentielles Detail: Nachdem Macksails nach getaner Arbeit abgerückt ist fällt dem kritischen Skipper plötzlich ins Auge, dass unter der Rollreffeinrichtung kein sogenannter Toggle montiert ist. Das Vorstag kann somit nur Bewegungen in eine Richtung – vor und zurück – aufnehmen, nicht aber seitliche Bewegungen des Vorsegels abfangen. Das Problem wird von Macksails umgehend, noch am gleichen Abend behoben.
Am dritten Tag an Bord steht der Einbau unseres neuen, aus Deutschland mitgebrachten Icom-Funkgeräts auf dem Programm. Das alte Icom-Gerät hat nach nur 7 Dienstjahren für immer beschlossen zu schweigen. Die Erwartungen an das neue Gerät sind nicht besonders hoch, es soll nur funktionieren: Funksprüche empfangen und senden. Die Realität: das Gerät erfüllt diese Aufgabe zwar, jedoch nur in Flüsterlautstärke und damit in der Praxis unbrauchbar. Unser Liegeplatznachbar Ron unterstützt uns bei der Durchführung verschiedener Tests, baut sogar sein Gerät aus, um es an unsere Antenne anzuschließen, fährt mit uns zum kilometerentfernten Nautik-Händler, scheut quasi keine Kosten und Mühen. Wir sind richtig gerührt über so große selbstlose Hilfsbereitschaft. Fazit nach stundenlangem Tun und Machen: mit unserer Empfangsantenne ist alles okay, der Defekt liegt bei dem neuen Funkgerät. Enttäuschende Feststellung: Marke steht nicht mehr für Qualität! Ärgerliche Erkenntnis: Mehrkosten für vermeintlich qualitativ hochwertige Marken stehen nicht für Zuverlässigkeit des Produkts. Und der Kundenservice ist auch nicht unbedingt das, was man sich wünscht, wie die Kontaktanfrage bei Hersteller und Händler zeigt.
Bye-bye Nettles Marina, mit einer kleinen Träne im Auge…
Dann kommt unser letzter Abend in Nettles Island. Abschied ist angesagt. Mit Ron gehen wir im Chuckers unweit der Marina, direkt am Ocean gelegen Essen, aber ganz American-like fahren wir die paar Meter natürlich mit dem Auto! Dockmaster Ray drückt uns mit seinen Riesenpranken zum Abschied ganz fest die Hand, wünscht uns einen safe trip. Beim Ablegen – der Wind weht inzwischen mit einer steifen Brise von achtern und drückt uns gegen Poller und Steganlage – helfen Ron und weitere Marinagäste. Dann heißt es Leinen los! Winkende Hände, gute Wünsche, bye-bye, keep care, safe trip… Wir verlassen mit einer kleinen Träne im Auge – oder ist es doch eine große ? – unsere liebgewonnene Umgebung, die neuen Freunde, den sicheren Hafen, die Komfortzone.
Allem Wetter zum Trotz: Wir sind wieder unterwegs!
Die Windprognose für unseren Nord-Kurs ist nicht wirklich befriedigend: südliche Winde tagsüber bei nächtlicher Flaute und angekündigter Starkwind aus Nord haben uns davon abgebracht, auf den Atlantik hinauszugehen. Hinzu kommt: Anfang April hat es in New York noch geschneit, die Nachttemperaturen liegen dort um 0° Celsius. Wir haben also – wettertechnisch betrachtet – genügend Zeit, wenngleich wir den Beginn der Hurrikansaison (ab Juni) nicht aus dem Blick verlieren dürfen.
Wir beschließen also, zunächst im geschützten Intracoastal Waterway (ICW) gen Norden segeln, wo wir quasi jederzeit – ein Ankerplatz mit ausreichender Wassertiefe vorausgesetzt – bei Einschlafen des Windes oder aufkommendem Starkwind die Fahrt unterbrechen und ankernd abwettern können. Unser vorläufiges Ziel: das rund 100 Seemeilen entfernte Cape Canaveral mit dem Kennedy Space Center, das wir nach immerhin 4 Tagen erreichen.
Das jähe Ende der Kurze-Hosen-Zeit
Mit jeder Meile, die wir uns gen Norden bewegen, wird es etwas kühler – nach der tropisch-feuchten Hitze eine angenehme Begleiterscheinung. Allerdings beschert der Durchzug einer Gewitterfront gleich am 2. Segeltag der Kurze-Hosen-Zeit vorläufig ein jähes Ende. Schlagartig fallen die Temperaturen in den Keller, so dass wir tatsächlich unsere Schwerwettersegelanzüge aus den hintersten Schapps hervorholen. Aber der Sommer kommt am nächsten Tag noch einmal zurück. Blauer Himmel, Sonnenschein, angenehme 25° Celsius, Wind von achtern und eine wundervolle Seen-Landschaft um den ICW lassen der Segler Herzen frohlocken.
Naturparadies ICW
Der Intracoastal Waterway hat sich inzwischen zu einem allerfeinsten Naturparadies gewandelt. Längst sind die noblen Luxusvillen mit Parkanlagen der Schilf-, Mangroven-, Busch- und Kiefernvegetation gewichen. Neben dem überwiegend 3,5 Meter tiefen – in Teilbereichen jedoch auf 2,5 Meter sinkenden – Waterway ragen aus dem flachen Wasser unzählige kleine Inselchen, oftmals nicht einmal 100 Meter im Durchmesser groß, bewachsen mit Palmen und Nadelbäumen. Auf trockenfallenden Sandbänken hocken bei Niedrigwasser Pelikane, Möwen und Kormorane. Immer wieder tauchen entspannt Delfine auf, um sogleich wieder langsam und oftmals kaum hörbar abzutauchen. Abends umkreisen sie uns am Ankerplatz. Und bei Brückenansteuerungen stehen Pelikane auf den Leitrampen der Brücken Spalier. Und einmal sehen wir tatsächlich einen sogenannten Manatee, die unter besonderem Schutz stehende Seekuh. Idylle pur. Am Uferrand oder auf den Booten der Freizeitkapitäne freundliche Amerikaner, die bei Gewahrwerden unserer im Sonnenlicht leuchtend schwarz-rot-gold strahlenden (neuen) Flagge am Achterstag freudig „Germany“ oder „Deutschlääänd“ rufend zu uns herüberwinken. „Take a picture!“ Aber klar doch… solche Augenblicke wollen wir im Bild festhalten, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.
Cape Canaveral – Kennedy Space Center
Schon von weitem können wir die Bauten der NASA (National Aeronautics and Space Association) an Steuerbord ausmachen. Das Riesengebäude mit der an der Fassade überdimensional großen, senkrechten US-Flagge ist das VAB, das Vehicle Assembly Building, in dem die NASA-Raketen mit all ihren Teilen zusammengebaut werden, bevor sie auf einer mehrere kilometerlangen Kies-Schotter-Piste aus eisemfreiem und damit funkenflugfreiem Gestein ohne statische Aufladung zur Abschussrampe transportiert werden.
Wir ankern unmittelbar neben der Halbinsel, auf dem sich das Kennedy Space Center und das Gelände mit den Abschussrampen befinden. Dorthin führt über 6 Kilometer ein dicht befahrener 4-spuriger Highway. Radwege kennt man hier nicht; es kostet uns schon ein wenig Überwindung, mit unseren Bordfahrrädern diese Strecke zu nehmen. Aber: wo ein Wille, da ein Weg. Während auf der einen Seite die Autos an uns vorbeirasen, sonnen sich auf der anderen am parallel verlaufenen Kanalufer Alligatoren. Alles ohne Zaun. Die Insel gehört zum Naturreservat. Alle Tiere – Alligatoren, Schlangen und was sonst noch so kreucht und feucht – stehen unter Schutz. Da legt ein Bus auch schon mal eine Vollbremsung hin, wenn eine (aus unserer Sicht: Riesen-)Schlange den Weg über die Straße nimmt.
Virtuelle Raketenstarts, Space Shuttle Simulation, Mars- & Mond-Exkursion
Im Kennedy Space Center angekommen, durchlaufen wir ein straffes Tagesprogramm: im sogenannten Rocket Garden stehen die Modelle der in den vergangenen Jahrzehnten gestarteten Raketen aufgereiht. Dann das Erlebnis beim Start einer Apollo 8 virtuell dabei zu sein. Ausgestattet mit einer 3-D-Brille erleben wir hautnah und ganz real aus dem Control Center den Start inklusive aller Lautstärken und Vibrationen. Im Kennedy Space Bus geht es dann quer über das Gelände an den Abschussrampen vorbei zu einer Apollo-Rakete, die mit all ihren Bestandteilen in einer Halle ausgestellt ist. Auch das Mondfahrzeug, ein Stück Mondgestein zum Anfassen, Astronautenbekleidung und -ausrüstung, alles, was man zuhause auf der Mattscheibe fasziniert bestaunt hat, liegt hier nur real vor uns. Apropos real: wir werden direkt in das Control-Center, ausgestattet mit der Originaleinrichtung aus den 60er Jahren geführt. Das Licht wird abgedunkelt, in großen digitalen Ziffern läuft der Count Down. Im Control Center ertönen von den jeweiligen Arbeitsplätzen die Meldungen zum aktuellen Start-Status. Dann bringen Vibrationen alles zum Erzittern, auf Monitoren ist die sich im Start befindliche Apollo-Rakete mit feuerschlagendem Rücktrieb zu sehen, ein ohrenbetäubender Lärm … und ab geht die Rakete. Wir fast live dabei. Beinahe zumindest. Die Amis können wirklich super präsentieren und inszenieren!
Zurück zum Kennedy Space Center bringt uns eine überaus euphorische Busfahrerin. Sie fährt nicht los, bevor die Fahrgäste ihr begeistertes „Hello everybody! How are you today“ genau so euphorisch mit einem unisono schallenden „great“ beantwortet. Das klappt nicht im ersten Anlauf, aber wir steigern uns – beim 3. Versuch setzt sie zufrieden den Bus in Bewegung.
Viel Zeit bleibt uns nun nicht mehr. Um 18.00 Uhr schließt das Center. Aber auf den Mars wollen wir noch unbedingt und zu den echten Marsfahrzeugen, den „Spirit-“ und „Opportunity Rover“ sowie den „Curiosity Rover“, die auf dem Mars Proben nehmen. Dann noch schnell zur Atlantis, dem Space Shuttle. Ein kurzes Video schildert anschaulich den Hintergrund und die Situation, die zur Entwicklung der Atlantis führte und nimmt uns quasi mit ins Boot, besser gesagt ins Shuttle. Und tatsächlich steht auch das auf unserem Programm: nachdem wir zuvor im echten Cockpit Platz genommen und einmal alle Schalthebel betätigt haben, nehmen wir Platz in einem Simulator und erleben den Start der Atlantis: wir fühlen die Vibration, spüren, wie uns die Schwerkraft nach dem Start in den Sessel drückt und sehen dann durch die Fenster in das Weltall und auf unsere Erde hinab. Wir schweben über dem italienischen Stiefel im All, bevor es wieder zurück geht auf die Erde. Klasse! Die 50 Dollar Eintritt pro Person haben sich absolut gelohnt.
Emotional berührend sind die Bereiche der Ausstellung zu Ehren der verunglückten Astronauten: In Glasvitrinen sind das Lieblingsbuch, die Fliegerjacke, die Frühstücksdose mit Astronautenmotiven aus den Kinderjahren und andere persönliche Besitzstücke der Verstorbenen aufgereiht.
Abends legen wir unsere Astronautenrolle wieder ab. Zurück an Bord sind wir ganz Seemann: Wettercheck, Passage Planning für den nächsten Tag, Schiff wieder seeklar machen. Die Reise geht morgen weiter. Wir brauchen einen sicheren Ankerplatz: für übermorgen – es ist dann inzwischen der 15. April – sind wieder Gewitter angekündigt sowie Starkwind mit heftigen Böen. Uns hat das Gewitter an unserem 2. Segeltag eigentlich gereicht, auf weitere Spektakel dieser Art sind wir nicht scharf. Aber: hilft alles nichts. Da müssen wir durch. Wir wollen nach New Smyrna Beach, um nach Durchzug der Wetterfronten dann zu Wochenbeginn in den Atlantik auslaufen zu können.
Ein echter Raketenstart
Von unserem Ankerplatz aus werden wir Zeuge eines realen Raketenstarts: am 14. April 2018 startet um 17.13 Uhr Ortszeit von Pad 41 eine Atlas V Rakete mit 2 Satelliten an Bord, einer für militärische Kommunikationszwecke, der andere für Forschungszwecke. Gespannt sitzen wir rund 30 Seemeilen von Cape Canaveral entfernt, ausgerüstet mit Fernglas und Kamera im Cockpit, den Blick fest nach Süd-Süd-West zum stahlblauen Himmel gerichtet. Und dann hätten wir sie fasst verpasst… die Rakete entdecken wir wesentlich östlicher als vermutet. Mit bloßem Auge erkennen wir den von der Sonne angestrahlten den Raketenkörper mit Feuerstrahl, gefolgt von einem langen, zum Boden reichenden Kondensstreifen. Wow!
Abwettern im Intracoastal
April 2018: Wir sind auf den angekündigten Sturm vorbereitet. Das Dinghy ist eingeholt, fest verpackt und auf dem Heck verzurrt. Die Segel sind gesichert. Alles ist verstaut. Morgens noch fahren Boote an uns vorbei. Paddler und andere Freizeitkapitäne schippern um uns herum. Haben die alle den Wetterbericht nicht gehört? Ab Mittag ist dann aber Ruhe auf dem Wasser. Der Himmel verdunkelt sich. Regen kommt auf, prasselt auf uns hernieder, aber das ganz dicke Schwarze geht – wie erhofft – weiter nördlich an uns vorüber. Böen von maximal 32 Knoten lesen wir auf unserem Windmesser ab. Das hätte auch dicker kommen können. Glück gehabt. Der Anker hat gehalten. Alles gut. Morgen, am Montag, den 16. April, geht’s weiter!
Auf dem Atlantik gegenan
Ganz passt uns die Wetterprognose nicht: Nach Westwind ist Nord-West mit 20 Knoten, in Böen auch mehr, angekündigt. Bei den rund 250 Seemeilen bis zum anvisierten Ziel, Charleston in South Carolina, Generalkurs 016°, bedeutet das hoch am Wind. Der Kompromiss: wir verlegen unsere Abfahrt auf den Mittag, segeln dem Wind etwas hinterher. Die Abfahrt auf den Dienstag zu verlegen wollen wir nicht riskieren, fürchten wir doch den angekündigten Schwachwind, der uns auf der langen Strecke verhungern lassen würde.
Über Funk Kanal 9 melden wir uns dann direkt nach dem Anker-auf-Manöver bereits um 12.20 Uhr (Ortszeit) beim Brückenwart der George Musson Bridge, die auf Anfrage jeweils zur vollen und halben Stunde öffnet, und bitten um Durchlass. Nur 4 Seemeilen, vorbei an Sandbänken im engen, flachen Fahrwasser sind es bis zum Inlet. An Backbord schützt eine alte, vom Hurrikan teilweise beschädigte Mole vor Wellen. Aber die See ist erstaunlich ruhig. Bei noch herrschendem Westwind baut sich hier dicht unter Land keine höhere Welle auf. Wir halten den Kurs noch 2 Seezeichen über die Mole hinaus, dann haben wir genügend Wassertiefe, gehen auf 016° bzw. sogar Nordkurs, um bei dem angekündigten Nordwester etwas weniger Höhe laufen zu müssen. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, der Wind ist frisch – in Stärke und Temperatur. Aber dagegen hilft ja bekanntlich Kleidung: Skiunterwäsche, Fließanzug, darüber der Scherwettersegelanzug. Wir segeln das Groß im ersten Reff. Auch die Genua haben wir nicht ganz ausgerollt.
Segeln ist doch zum K….!
Nach einem fantastischen Sonnenuntergang mit einem strahlenden Sonnenball vor orange leuchtendem, wolkenlosem Himmelsblau gegen 19.00 Uhr binden wir das 2. Reff ins Groß. Und wie angekündigt bekommen wir nun auch ein paar Knoten mehr Wind mit leichtem Norddreher dazu. Die anfänglich noch leicht kabbelige See wird nun rauer, die Wellen höher, spitzer, unsortierter. Mit Handschuhe, Schal, Stirnband versuchen wir uns vor dem nun bitterkalten Wind zu schützen… ohne wirklichen Erfolg. Kuschelig warm ist anders. Unter Deck ist es noch ungemütlicher: die Aurora Maris rockt durch die wilde See. An Schlaf ist hier nicht zu denken. Unsere erste Nacht zurück auf dem Atlantik hätten wir uns anders gewünscht. Erstmals erwischt uns auf unserem Atlantiksegeltörn die Seekrankheit, zunächst Andrea, dann auch Chris. An Wacheinteilung mit geregeltem Rhytmus ist nicht zu denken. Wir schlagen uns zu zweit im Cockpit sitzend die Nacht um die Ohren. Die Genua haben wir inzwischen ganz weg gerollt, da die Aurora Maris mit 8 Knoten Fahrt durch die steile See des hier nur 25 bis 40 Meter tiefen Atlantiks in die Wellentäler gerast ist. Kotzübel und vor Kälte zitternd nicken dennoch todmüde abwechselnd oder auch zuweilen zeitgleich ein und dösen vor uns hin, um dann aus dem Kurzschlaf wieder aufzuschrecken. Mit einem Auge haben wir unseren Kurs, die Seekarte, unser AIS im Blick, versuchen es zumindest. Gott sei Dank ist nicht viel los auf der großen Kuhle: ab und an ein Ozeanriese der vermutlich Jacksonville als Ziel hat. Sie alle passieren uns mit großem Abstand.
Der neue Morgen beginnt mit einem Sonnenaufgang nicht weniger fantastisch als der -untergang am vergangenen Abend. Doch die Crew ist gerädert und kraftlos. Es bereitet uns Mühe, die Genua wieder zu setzen. Immer noch 6 Windstärken. Immer noch gegenan. Immer noch eine wild aufgewühlte See. Was tun wir uns da eigentlich gerade an. Am Tag darauf, wieder geschützt vor Anker auf Glattwasser liegend, hat der Skipper nur ein Wort für das Erlebte: strapaziös.
Alles wieder gut!
Erst am frühen Nachmittag beruhigt sich die Lage. Und irgendwann dreht der Wind wieder mehr auf West. Ja, Segeln kann ja so schön sein! Stirnband, Handschuhe bleiben weiterhin angezogen, aber die Lebensgeister kommen wieder. Vor Einbruch der 2. Nacht beenden wir unsere Atlantik-Diät und verspeisen mit viel Appetit ein paar Salzkräcker. Dazu gibt es prickelndes Mineralwasser. Welch ein wohlschmeckender Genuss. Wir segeln nun auch wieder in unserem bewähren 3-Stunden-Wachrhytmus. Die Nacht ist sternenklar. Offensichtlich ist Neumond, so lässt die nach Sonnenuntergang nur schmal am Firmament stehende Mondsichel vermuten. Charleston ist nicht mehr weit. Noch vor Beginn des neuen Tages werden wir die Ansteuerungstonne des weit auf See beginnenden Fahrwassers erreichen. Diese Aussicht gibt Kraft: klar, das schaffen wir!
Landfall in Charleston, South Carolina
Im Morgengrauen sind wir bereits weit im ausgetonnten, nach Charleston führenden Fahrwasser. Frohlockend ertönt das Geläut der Glockentonnen uns entgegen. Abwechselnd blinken die Seezeichen rot und grün in ihrem Takt und weisen uns american-like den Weg: grün bleibt an Backbord, rot an Steuerbord. Um 9.30 Uhr Ortszeit fällt unser Anker gegenüber der Charleston City Marina. Wir sind in South Carolina angekommen. Wir sind geschafft und fallen erleichtert in die Koje. Eine wunderschöne Stadt mit besonderem Charme und Stil erwartet uns…
Fotostrecke: Everglades – Miami – Montage unseres Furlers – ICW – Kennedy Space Center – Atlantiksegeln gen Charleston
Hallo ihr beiden, das ist ja mal wieder toll zu lesen gewesen. Morgen kommen Gaby und Rudolph auch wieder zurück. Hier gewittert es gerade sehr häftig. Hatten auch mehrere Tage Hochsommer Temperaturen. Euch weiterhin eine handbreit Wasser unterm Kiel . Liebe Grüße aus Münster , Annette
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