Etappe: Charleston, South Carolina – Chesapeake Bay, Virginia
Vierfünzig, vierzwanzig, dreiachtzig, drei, zwei, einssiebzig… das Echolot macht einen rasanten Countdown und zzzzzt, da sitzen wir fest. Einssechzig, einsfünzig, einsdreizig… das war’s wohl (wir haben 1,75 Meter Tiefgang!). Mitten in der Pampa, im Intracoastal Waterway auf dem Weg von Charleston gen Nord-Osten. Weit haben wir es nicht geschafft, lediglich die rund 5 Meilen entfernte Ben Sawyer Brücke bis zum nächsten Inlet haben wir passiert, da sitzen wir fest, trotz ausreichend Wassertiefe laut Seekarte. Erst lässt uns der Wind nicht weiterziehen, dann legt uns der Intracoastal Steine – oder besser gesagt: Modder– in den Weg und verhindert unsere weitere Reise gen Norden.
Charleston, La Belle of the Old South
Seit Mittwoch, den 18. April 2018 sind wir in Charleston in South Carolina, eine der ältesten von Europäern gegründeten Siedlungen Amerikas. Zwei Tage haben wir per Pedes und Bordfahrrad diese charmante, einem architektonischen Freilichtmuseum gleichende Stadt, mit vielen Antebellum-Villen und malerischen Baumalleen, erkundet. Wir sind in der Innenstadt durch die 4 Markthallen gebummelt, mit Kunsthandwerk, Souvenirs, Geschenkartikeln und anderen hübschen Dinge für Herz, Leib und Seele und sind fasziniert von so viel Stil und dem hohen Niveau, auf dem hier die Waren angepriesenen – nein, sie werden nicht angepriesen oder vermarktet – eher werden die Waren dargebotenen: kein Ramsch, kein Kitsch, kein Marktgeschrei, keine aufdringlichen Gespräche. Stattdessen entspannt-buntes Treiben, eine angenehme Atmosphäre und freundliche Gespräche mit Händlern prägen das Bild.
Das knapp 130.000 Einwohner zählende Charleston, „La Belle of the Old South“, wie unser Reiseführer sie nennt, liegt auf einer Halbinsel zwischen Ashley River – wo wir mit der Aurora Maris in den ersten 2 Tagen vor Anker liegen – im Westen und Cooper River im Osten. Die Gassen der Innenstadt laden zum Verweilen und Bummeln ein. Unser Blick bleibt immer wieder hängen an kleinen Details: den auch bei Tageslicht leuchtenden, mit Gas befeuerten Laternen an den Hausfassaden, Schaukelstühlen auf Veranden, Kopfsteinpflaster aus dem 16. / 17. Jahrhundert. Blütenduft hängt in den von Bäumen umsäumten Alleen, in denen ein Eichhörnchen mit grauem Pelz munter herumspringt. Gut könnten wir es hier noch ein paar Tage aushalten, aber unser Zeitplan drängt, New York wartet auf uns und die Wetterpropheten ändern launisch alle 48 Stunden ihre prognostizierte Wetteransage. Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass uns nach dem für Montag durchziehenden Sturmtief ab Dienstag Süd-West-Wind nach Nord-Osten weht. Nun aber (es ist Samstagmorgen und wir rufen routinemäßig unsere Gribdaten mit Wetterinfo ab) wird uns für Dienstag Flaute angedroht. Ein Plan B muss her: wir entscheiden, mit dem Nachmittags-Ebbstrom Charleston zu verlassen und in Tagesetappen bei Ostwind im Intracoastal Waterway binnen weiterzugehen. Dieser Weg mit Glattwasser scheint uns weniger strapaziös als das Segeln gegen Wind und ruppiger Welle im offenen Atlantik. Unsere Vorräte haben wir bereits am Vortag aufgestockt, jetzt fehlt uns nur noch Wasser und Diesel, das wir in der direkt neben uns liegenden Charleston City Marina bunkern können. Um 14.30 Uhr sind wir soweit, los geht‘s.
Nervenkietzel Grundsitzer
Aber schon nach 7 Seemeilen müssen wir unser Vorhaben mangels ausreichender Wassertiefe abbrechen. Wir sitzen fest. Rund 1,5 Stunden vor Niedrigwasser steckt die Aurora Maris tief im Modder des ICWs unweit des Breach Inlets fest. Der Rudergänger gibt besonnen Gas, versucht den Bug nach Backbord, vermeintlich Richtung Fahrwassermitte zu drehen. Das Echo bleibt sturr bei geloteter Wassertiefe von 1,30 Meter. Leichter Schub Gas nach Steuerbord Richtung Fahrwasserrand, nur 5 Meter neben uns guckt bereits die Watt-Modder aus dem Wasser heraus. Nee, das wird nichts. Weit und Breit keine Menschenseele, kein Motorboot, dem wir eventuell eine Leine übergeben könnten. Leichter Schub Gas zurück, dann wieder vor, dabei eine sanfte Ruderdrehung… ganz gefühlvoll und besonnen versucht Chris die Aurora Maris aus der misslichen Situation zu befreien. Derweil schickt Andrea ein Stoßgebet gen Himmel, lässt den Blick zwischen Kartenplotter und dem realen Abbild hin und her wandern. Die Peilung mit den weit auseinander liegenden grünen Fahrwassermarken und der Kartenplotter bestätigen: wir sind mitten im Fahrwasser. Toll! Es ist ganz ruhig an Bord. Nur das Aufheulen des Motors. Nur ab und an ein Kommentar mit richtungsweisender Handbewegung: da kommen wir her, da wird’s tiefer!
Ganz allmählich kommt wieder Bewegung in die Aurora Maris. Das Schiff dreht sich langsam, wie auf einem Teller. Der Ostwind unterstützt den Rudergänger, dreht den Bug zurück und endlich weicht dieses fiese Gefühl des Festsiitzens, wir schwanken wieder ganz leicht. Gott sei Dank! Ein großer Stein der Erleichterung fällt uns vom Herzen, einhergehend mit der Sorge: was machen wir jetzt? Wo gehen wir hin? Zurück in den Ashley River wollen wir nicht. Es ist schon spät. Ankerplätze sind rar. Hier geht es nicht für uns nicht weiter. Also erst mal zurück. Die rund 9 Meter hohe Ben Sawyer Bridge (wir messen mit Mast rund 17,5 Meter) öffnet an Wochenenden jeweils zwischen 8.00 Uhr und 19.00 Uhr stündlich auf Anfrage. Es ist 17.30 Uhr, bleibt uns noch eine halbe Stunde, um die nächste Brückenöffnung mitzubekommen. Nur unter Genua gleiten wir die eineinhalb Seemeilen durch das Fahrwasser. Die Brücke öffnet pünktlich. Noch zwei drei Links- und Rechtskurven, dann sind wir wieder im Hauptfahrwasser, das Charleston mit dem Atlantik verbindet.
Und nun?
Um ca. 20 Uhr wird es dunkel. Wir haben den Eindruck, dass der Wind sich ausgetobt hat. Die spitze Kabbelsee im Inlet hat sich beruhigt. Sollen wir doch auf den Atlantik raus und hoch am Wind nach Nord-Osten kreuzen? So weit wir kommen, und wenn es uns zu ruppig und rau ist, nach rund 50 Seemeilen morgen früh bei Georgetown wieder einen geschützten Platz aufsuchen? Ja, wir wollen es versuchen. Also schnell Schiff klar machen, alles sicher und fest verstauen, Kurs Süd-Süd-Ost rund 10 Seemeilen im Fahrwasser, dann Kurs Nord-Nord-Ost, so der Plan. Dem ambitionierten Vorhaben folgt schon nach einer halben Stunde die Erkenntnis: es macht keinen Sinn. Die See und der Wind kommen stumpf von vorne, da kreuzen wir uns einen Wolf und kommen nicht voran. Wieder brechen wir ab. Der zweite Misserfolg an einem Tag. Die Stimmung an Bord ist gedrückt…
Wir machen kehrt, laufen nun mit dem Wind wieder gen Charleston und steuern in den Cooper River, den östlichen der beiden die Halbinsel umrahmenden Flüsse. Direkt neben der Charleston Harbor Marina, in unmittelbarer Nähe zu Patriots Point und dem dort stationierten Flugzeugträger USS Yorktown lassen wir den Anker fallen. Charleston hält uns mindestens 2 weitere Tage fest: die Wetterpropheten bleiben weiterhin bei ihrer für Montag angekündigten Starkwindansage.
An Bord des Flugzeugträgers USS Yorktown
Der Enttäuschung, unseren Segeltörn nicht wie gewünscht fortsetzen zu können, folgt die Freude über einen weiteren Tag Landgang in Charleston mit einem besonderes spannendem Programmpunkt: die Besichtigung eines Flugzeugträgers! Schon bei unserem Landfall haben wir von weitem den im Cooper River liegenden Flugzeugträger gesehen. Die USS Township, die unter anderem im 2. Weltkrieg im Einsatz war, liegt hier am Patriots Point als Museumsschiff zusammen mit einem Kriegsschiff und einem U-Boot. Was für eine Gelegenheit!
Wir setzen mit dem Dinghy zur Charleston Harbor Marina über. Über Funk haben wir uns angemeldet, und Dockmaster Andrew bietet uns kostenfrei hinter seinem Büro einen Platz an.
Auf dem Flugzeugträger sind die bedeutendsten Flugzeuge der Luftfahrt ausgestellt. Mit angeklappten Flügeln stehen sie aufgereiht unter Deck. Im Cockpit eines Fliegers dürfen Besucher sogar Platz nehmen. Wie klein, eng und unbequem alles ist. Eine Video-Animation, die wir später auf dem Kriegsschiff sehen, zeigt einen Kamikazeangriff Japanischer Krieger sowie Luftabwehr dieser und ähnlicher Flugzeuge. Oben an Deck des Flugzeugträgers stehen weitere Flugzeuge auch aus neuerer Zeit. Wir sind beeindruckt. Wir durchlaufen alle Decks, bekommen Einblick in die Schlafsääle mit anklappbaren Bettgestellen der Matrosen und die luxuriösere Variante der Unterbringung von Offizieren, sehen die Krankenstation, Aufenthaltsraum und Speisesaal, durchwandern den Maschinenraum mit allen Kontrollsystemen, nehmen Platz auf dem „Chefsessel“ auf der Kommandobrücke.
Wieder zurück an Bord, mit vielen Eindrücken und Einblick in die amerikanische Sichtweise des zweiten Weltkriegs, müssen wir uns um einen nach Süden geschützten Ankerplatz kümmern, an dem wir den fangekündigten Sturm abwettern, kümmern. Ein solcher Platz bietet sich nur 1 Seemeile weiter, hinter der Brücke. Das Verholen ist kein großer Akt. Der Ankergrund ist top, gleich das erste Mannöver ist erfolgreich. Der Anker hält. Wir geben noch mal extra Gas, um ihn richtig tief einzufahren. Wir schmeißen den Bordgrill an und genießen German Bratwurst, Zucchini mit provenzalischen Kräutern und Parmesankäse vor der bei Nacht angestrahlten Arthur Ravenel Bridge. Die erst 2005 erbaute Brücke ist übrigens Nordamerikas längste Zugseilbrücke.
Wieder auf See
Der Montag bringt uns nicht nur wie angekündigt viel Wind, er fällt zudem auch noch komplett ins Wasser. Während Böen um die 30 Knoten und mehr durch unser Rigg pfeifen, machen wir uns einen kuscheligen Tag unter Deck und stecken nur ab und zu die Nase durch das Luk, um die vorbeifahrende Großschiffffahrt, haushoch beladen mit Containern zuzuschauen. Dann, am Dienstag den 24. April 2018 lässt uns Charleston endlich los. Wir können weiter ziehen. Schon früh, bei Sonnenaufgang, verlassen wir die Koje, machen das Dinghy klar und verstauen es wieder an Bord. Vor uns liegen rund 400 Seemeilen – oder anders ausgedrückt: 4 Tage und 3 Nächte auf See, vorbei an Cape Fear und dem berüchtigten Cape Hatteras mit den weit (10 Seemeilen) vorgelagerten Flachs (rund 1 Meter Wassertiefe) bevor es auf Nordkurs gen Chesapeake Bay, Virginia geht. Um 08.30 Uhr Ortszeit gehen wir Anker auf und lassen uns mit dem Ebbstrom im betonnten Fahrwasser durch das Inlet iehen, zvorbei an den der Küste vorgelagerten Flachs, auf denen brandend die See steht. Blauer Himmel, Sonnenschein, warm eingepackt in Vlies und Schwerwettersegelhose, der Wind mit 3 bis 4 Beaufort aus Süd wehend – so lässt es sich leben! Nach gut 10 Seemeilen und genügend Abstand zur Küste können wir auf Kurs gehen. Rund 70° liegen an. Mit jeder Meile wird die See kabbeliger. Kein Wunder: wir haben nur rund 15 Meter Wassertiefe unterm Kiel. Der Atlantik ist auch mit Abstand von 30 Meilen zur Küste noch flach. Aber wir sind schnell, laufen bis zu 8 Knoten über Grund – ein Zeichen, dass wir uns am Rande des Golfstroms bewegen. Von Delfinen begleitet gibt es am Abend einen fantastischen Sonnenuntergang serviert. Nachts leuchtet über uns der Sternenhimmel, Orion begleitet uns einen kurzen Weg lang, der große Wagen steht hoch über uns Kopf und Sirius funkelt achteraus, was das Zeug hält, während der dicke Halbmond sein Bestes gibt, um uns den Weg auszuleuchten. Warm eingepackt segeln wir durch die milde Nacht. Der zweite Tag ist nicht weniger schön. Die See ist inzwischen ruhig, fast glatt. Herrlich!
Am 3. Tag auf See hat der Wind ausgeblasen. Kurz hinter Cape Lookout, morgens um 05.00 Uhr, muss die Maschine unterstützen. Gerne würden wir an Cape Lookout und den sogenannten Outer Banks, eine Inselgruppe ganz im Süd-Osten des Bundesstaates North Carolina, verweilen. Doch wir wollen die günstige Wetterlage nutzen. Via Satellit haben wir am Abend zuvor nochmals das aktuelle Wetter und die Gribdaten abgerufen. Angeblich soll der Wind zwar zunächst abflauen, später aber aus Süd mit 3 bis 4 Windstärken auffrischen. Wenn alles klappt, haben wir bis zu dem Zeitpunkt Cape Hatteras bereits passiert und können mit achterlichem Wind auf Nordkurs gehen. Aber der Wind macht eine ausgedehnte Pause, flaut komplett ab und frischt nur gelegentlich auf. Im Wechsel setzen wir die Segel, packen sie wieder weg und schmeißen den Motor an, ganz wie der Wind es zulässt. Zwar ist der Skipper bei diesen Windverhältnissen etwas missmutig, doch Rasmus bleibt uns milde gesonnen und bescherrt uns eine ruhige See. Nicht selbstverständlich in dieser Ecke, die wegen der vielen Wracks auch „Graveyard of the Atlantic“ genannt wird: Bei Cape Hatteras treffen 2 Strömungen, der nach Süden setzende kalte Labradorstrom und der nach Norden ziehende warme Golfstrom aufeinander und sorgen oftmals für eine unangenehm raue See. Auf den vorgelagerten Sandbänken entstehen dann brandende Seen.
Anders an diesem Tag: der Atlantik ist äußerst ruhig, nur aus der Ferne sehen wir den ein oder anderen brechenden Wellenkamm. Wir lassen es uns gut gehen an Bord mit Espresso, Ginger Ale, frisch gebackenes Brot, Zucchini-Reis-Pfanne …
Bei Sonnenuntergang künden von Süden schnell aufziehende schwarze Wolken Gewitterstimmung an. Wetterleuchten gefolgt von hell zuckenden Blitzen, begleitet von grollendem Donner und heftigen Regengüssen. Endlich Süßwasser für die salzgepökelten Segelanzüge! Die Windböen mit 24 Knoten nehmen wir nur unter Genua laufend dankbar an.
Erst nach weiteren rund 15 Stunden, 20 Seemeilen vor Erreichen der Chesapeake Bay, können wir unter Passatbesegelung und konstant achterlichem Wind das Segeln wieder voll auskosten. Bei der Ansteuerung der von der Berufsschifffahrt stark frequentiertem, 9 Seemeilen breiten Bucht halten wir uns dicht unter Land von dem ausgetonnten Fahrwasser mit TSS (Verkehrstrennungsgebiet) frei. Wieder neigt sich ein Tag dem Ende zu. Die Sonne steht als roter Feuerball tief über der Bucht. Schwarze Gewitterwolken mit ausgeprägten, prasselnden Regengüssen sorgen für einen spektakulär-stimmungsvollen Abend. Wir lassen den Anker direkt hinter dem Inlet, nur 5 Seemeilen vor Lynnhaven, umgeben von Fischreusen, fallen. Ein Manöver-Schluck, etwas Warmes aus der Bordküche, dann fallen wir in die Koje und Schlafen ist angesagt. Draußen baut sich der Wind auf, einlaufende Wellen schaukeln die Aurora Maris ordentlich durch und wiegen die Crew in den Schlaf.
Hello Moody! Welcome to Virginia!
Ein neuer Tag beginnt – wir lassen ihn ruhig angehen, verbummeln die Tide und verpassen den bis zu 2 Knoten setzenden Flutstrom und den süd-westlichen frischen Wind, die uns bequem weiter nach Norden in die Bucht hinein hätten schieben und ziehen können. Wir nehmen uns die Zeit und genießen den schönen Tag. No Stress! Erst gegen 16.00 Uhr, eine gute Stunde bevor der Strom kippt und der Flutstrom wieder in die Bucht läuft, gehen wir Anker auf. Unser Ziel: das nur 15 Meilen entfernte Hampton. Hier hoffen wir auf Infrastruktur zur Vorbereitung der weiteren Reise.
Es weht nur eine leichte Brise und wir schieben mit nur 3 Knoten Fahrt unter Genua gen Norden. Von Backbord nähert sich uns eine Yacht, macht kurz bevor sich unsere Kurslinien treffen eine Wende und setzt nach Süden ihren Kurs fort. Es ist eine Moody, der gleiche Bootstyp wie unsere Aurora Maris, nur 6 Fuß größer. Einige Minuten später ändert die Moody wieder ihren Kurs, kommt uns hinterher, schmeißt den Motor an, um uns einzuholen. Der Skipper ruft uns ein freundliches „Hello Moody! Welcome in Virginia!“ zu. Wir versuchen per Funk zu kommunizieren, was mit unserem defekten Gerät kaum möglich ist. Zwar werden wir gehört, selbst können wir von dem empfangenen flüsternden Gerausche kaum etwas verstehen. Also übermitteln wir unsere E-Mail-Adresse und bekommen prompt die erste Nachricht: eine Telefon-Nummer von Terry und Lena, zusammen mit der Anfrage über unsere Pläne. Nichtsahnend plaudert Andrea drauf los: wir wollen nach Hampton, brauchen einen Segelmacher, der den kleinen Riss im Großsegel beseitigt, wir brauchen frische Lebensmittel und ganz dringend eine Dusche und wir wollen ein neues Funkgerät kaufen.
Am nächsten Morgen, direkt beim Frühstück, kommt wieder eine Nachricht von Terry:
Was macht ihr heute?
Wir verholen gleich nach Hampton, um in Stadtnähe vor Anker zu gehen.
Wann seit Ihr dort? Wollen wir uns treffen?
Wir werden um 12.00 Uhr dort sein.
Wonderful!
Tatsächlich ist Terry bereits bei unserer Ansteuerung des anvisierten Ankerplatzes vor Ort, dirigiert uns zu einem geeigneten Platz, doch der Grund ist miserabel, der Anker will partout nicht halten. Schließlich kommt Terry an Bord, zeigt uns direkt bei den Fischern einen Platz, und dieses Mal hält der Anker auf Anhieb.
Die Moody-Eigner haben sich viel zu erzählen, dann brechen wir gemeinsam auf, um unsere To-do-Liste abzuarbeiten. Doof, dass Sonntag ist, da werden wir keinen Segelmacher antreffen. Aber West Marine hat offen. Dort können wir nach einem neuen Funkgerät schauen. Und einen Lidl gibt es auch. Gesagt getan. Vorher schauen wir jedoch beim Hafenmeister vorbei. Terry stellt uns vor, besorgt uns das Internet-Passwort, und gibt dem Hafenmeister zu verstehen, er möge uns den Aufenthalt möglichst angenehm gestalten, damit wir Hampton in guter Erinnerung behalten. Und Tom, der Hafenmeister, ist während der kommenden 2 Tage wirklich rührig zu uns, versorgt uns mit Salat aus eigener Ernte, lässt uns kostenlos an der Pier liegen, hat immer ein freundliches Wort für uns.
Wir verbringen den halben Tag mit Terry und sind überwältigt von so viel selbstloser Hilfsbereitschaft. Am Montag verabschieden wir uns mit einem gemeinschaftlichen Dinner. Und damit wir für unsere weitere Reise gut verproviantiert sind, haben Terry und Lena uns noch einen kleinen Fresskorb mit köstlicher Lindschokolade, belgischem Bier, Ingwerkeksen und anderen Leckereien zusammengestellt. Wir sind gerührt! Aber es kommt noch besser: Terry organisiert uns für unsere letzte Nacht in seinem Heimathafen, näher am Inlet zur Verkürzung unserer nächsten Etappe – einen kostenlosen Liegeplatz, damit wir nach einer möglichst angenehmen Nacht in die nächste Etappe zur Realisierung unseres Traums von einem Segeltörn nach New York starten. Die Marina erreichen wir erst nach Einbruck der Dunkelheit – Hafenmeister Tom hat uns beim Abschiednehmen festgequatscht, so dass wir mit Verspätzung loskommen und nun nicht nur den Wind, sondern auch die Tide gegen uns haben. Terry steht auf dem Steg, weist uns von weitem mit Lichtzeichen aus der Taschenlampe den Weg. Und nachdem unsere Moody fest am Steg liegt, besichtigen wir seine Moody. Sowohl Terry als auch wir müssen morgen früh aufstehen. Die Tide ist nur bis 8 Uhr auf unsere Seite. Bis dahin müssen wir bereits die ersten 15 Seemeilen zurück gelegt haben. Also heißt es noch einmal Abschiednehmen. Wieder verlassen wir einen Ort mit einer dicken Träne im Auge…. Aber: New York wartet auf uns! Das Wetterfenster passt: 3 Tage mit prognostizierten süd-westliche Winde, 4 bis 5 Beaufort bei mit 15°C akzeptablen Nachtemperaturen und mit 25°C angenehmen Tagestemperaturen. Besser kann’s nicht sein.
New York, wir kommen!
Aktuell sind wir hier… schau Dir unsere Route auf Google Maps an
Fotostrecke: Charleston, La Belle of the Old South & Atlantiksegeln gen Virginia
Hamburg Süd! ;o))
LikeLike
Nicht wahr! 😉
LikeLike