Etappe: Azoren – Englischer Kanal.
A Coruna ist eine super Idee. Ein paar Tapas und Vino Tinto und dann ein paar Tage später mit Westwind weiter gen Englischer Kanal. Die E-Mail von unserem Wetterrouter Stefan erreicht uns via Satellit weit draußen auf dem Atlantik. Klar ist das eine tolle Vorstellung. Vor allem die Aussicht, nach 9 Tagen auf See endlich mal wieder auszuschlafen und mit einer Süßwasserdusche die Salzkruste abzuschrubben sind verlockende Aussichten. Doch: für uns ist die in Erwägung gezogene Option, im nordspanischen A Coruna am Eingang zur Biskaya einen Tankstopp einzulegen, eine Notlösung, nur für den Fall, dass uns Flaute – oder das Gegenteil: Starkwind – zu einem Plan B zwingen. Schließlich haben wir die Azoren mit Ziel englischer Kanal verlassen. Trotz widriger Windentwicklung wollen wir daran festhalten.
Rückblick
Nach 3 ½ Wochen auf den Azoren hat es den Anschein, als entwickelten sich ab dem 3. Juli 2018 für uns in Richtung und Stärke passende Winde. Bis dato haben uns zeitlich wie räumlich ausgedehnte Flauten oder Gegenwind auf dem Inselarchipel festgehalten.
Laut Revierliteratur sollte man zunächst Nord machen bis rauf zum 45sten Breitengrad (Terceira liegt knapp unter 39°, das bedeutet 360 Meilen Nordkurs), um schnellst-möglich dem Einflussbereich des Azorenhochs zu entkommen und dann mit vorherrschenden West-Winden auf Kurs zu gehen.
Als wir von Terceira aus in unsere letzte große Segeletappe starten, ist Wind aus Nord-West prognostiziert. Tatsächlich erwarten uns aber 3 bis 4 Windstärken aus Nord bis Nord-Ost! Wir können maximal einen Ostkurs anliegen. Auf anderem Bug könnten wir lediglich einen Nord-West-Kurs laufen, was uns unserem Ziel nicht näher bringen würde. Die See ist grau, ebenso der wolkenverhangene Himmel, aus dem sich zuweilen Süßwasserduschen in Schauern über uns ablassen. Erst 24 Stunden und rund 120 Seemeilen später macht der Wind einen Rück-Dreher und lässt einen Nord-Kurs zu. Endlich!
Täglich neu im Mäusekino: „Woher weht der Wind denn heute…“
Wir sind gespannt auf die weitere Wetterentwicklung, als wir via Satellit die aktuellen Grib Files mit Wetterinformationen abrufen und uns die Windfähnchen auf dem Tablet anschauen. So kommt täglich im Morgenprogramm eine neue Folge aus der Serie „Woher weht der Wind denn heute…“ auf das Tablet, auf dem wir die Grib Files wie in einem kleinen Film abspielen. Mehrfach lassen wir die Animation mit dem 5-tägigen Windgeschehen durchlaufen und folgen konzentriert den Drehungen und je nach Windstärke blau (schwach) oder grün (frisch) verfärbenden Windpfeilen. Weite Teile des Atlantiks sind tief blau – Flaute –dargestellt. Einen Nordkurs, der uns zum empfohlenen 45. Breitengrad bringt, können wir beim besten Willen nicht laufen. Auch auf direktem Kurs liegen großflächige Flautengebiete voraus. Es ziehen durchaus ein bis zwei Stunden Zeit ins Land – besser: Zeit durchs Wasser, bis wir die verschiedenen Szenarien durchgespielt und den für uns best-möglichen, zielführenden Kurs ermittelt haben.
Gleich bei unserem 1. Wetterabruf zeichnet sich ein Bild ab, das sich in den Folgetagen fortsetzt: zwar stimmt die am Vortag prognostizierte Wetterlage im Groben, im Detail gibt es jedoch feine Abweichungen, so dass wir fast täglich unseren Kurs nachjustieren. Mal laufen wir etwas mehr Nord, aber in der Regel machen wir Ost gut. Ständig bemühen wir uns, aufziehenden Flautenzonen auszuweichen. Auf Am-Wind-Kurs können wir auch bei dem wenigen Wind immerhin um die 5 Knoten Fahrt machen. Sobald der Wind zu schwächeln beginnt, spannen wir stundenweise den Motor mit ein und gehen auf Sollkurs, um Höhe gut zu machen. 4 Tage lang bewegen wir uns im Zick-Zack durch die See und verlängern so natürlich unseren Gesamtweg. Die Crew ist nervös: 14 Tage haben wir für diese Etappe kalkuliert, hoffen tun wir auf 12 Tage. Doch die gegenwärtige Windsituation nimmt uns diese Illusion. Reichen unsere Vorräte? Haben wir genug Wasser? Reicht der Diesel?
Vom Regen in die Flaute
Am 5. Tag auf See ist dann erst mal Schluss mit der Segelei. „Ihr steuert unaufhaltsam auf eine Flaute zu, gefolgt von Nord-Ost-Wind.“ Also stumpf gegenan. „Durchhalten! Wird schon werden!“, ermutigt uns Stefan, der mit seiner Frau Ilja nach 6-jähriger Weltumsegelung ein paar Wochen auf den Azoren verweilt und sich uns als Wetterrouter angeboten hat. Damit haben wir eine 2. Wetterquelle und Redundanz zu unseren NOAA-Gribdaten. Besser wird die Prognose dadurch für uns leider nicht. Fast 30 Stunden am Stück mit nur schieben wir auf reinem Ostkurs durch die spiegelglatte See unter Motor, um auf kürzestem Weg aus der Flaute herauszukommen. Das Surren des Motors lullt uns ein. Sonnenstrahlen sorgen für wohlige Wärme. Nachts legt sich eine dicke graue Nebeldecke über die leicht wogende schwarze See. In unserem Kielwasser hinterlässt die Schiffsschraube einen leuchtend weißen Streifen im phosphorisierten Meer. Vereinzelt tun in der See einige Hundert Meter umfassende milchigweiße Wasserflecken auf, als habe sich ein Container voller Milch in den Ozean ergossen. Merkwürdig-gespenstig. Und dann geht auch noch das Echolot auf Talfahrt, zählt im Countdown rapide runter und kommt schließlich auf 3,5 Meter zum Stoppen. Tief durchatmen! Der Atlantik misst hier 3.000 bis 4.000 Meter Tiefe. Das kann nur ein Fischschwarm gewesen sein, der das Wasser aufgewühlt hat.
Weit und breit kein Schiff in Sicht, nur die endlose Weite des Ozeans. Nach Tagen auf See nimmt schließlich die Nebelhäufigkeit ab. Dann strahlt in sternklaren Nächten weit im Süd-Westen Mars leuchtend rot mit Jupiter im die Wette, der im Sternbild Waage weiß erstrahlt. Der Mond hat Spätschicht, taucht erst gegen Morgen als immer schmaler werdende Sichel tief am Firmament auf.
Wind! Endlich nehmen wir Fahrt auf!
Am 7. Tag auf See zeigt am frühen Vormittag die wie in Öl gemalte Wasseroberfläche endlich wieder eine kleine Regung. Ein leichtes Kräuseln in Verbindung mit zunehmender Dünung und schließlich sogar kleinen, anfänglich noch spitzen Wellen nimmt den aufziehenden Wind vorweg. Die Lebensgeister der Crew werden wieder geweckt. Flott werden das Groß und die Genua gesetzt, die Schoten dicht geholt und bei 10 Knoten zunehmend 15 Knoten Wind aus Nord-West geht‘s hoch am Wind mit erst mit 3, dann 4 und schließlich über 5 Knoten Fahrt gen Nord-Osten. Der Wind legt weiter zu, weht in Böen mit 23 Knoten (scheinbarer Wind). Während die Aurora Maris sich auf die Seite legt und durch die keine 2 Meter hohe See gleitet.
Auf dem Plotter pendelt der Peilstab des Schiffssymbols zwischen Irischer See und dem West-Zipfel der Bretagne. Großartig! Der Sollkurs kann anliegen! Und die Wetterprognose sieht weiterhin mit Winden aus Nord-Nord-Ost und später Nord-drehend bis Nord-West gut aus. Rund 400 Meilen bis zum Eingang Englischer Kanal, keine 600 Meilen bis zum in Erwägung gezogenen Zielhafen Cherbourg. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Selbst wenn nach 2 Tagen Segeln wieder Flaute einsetzen und den Motor zur Arbeit zwingen sollte, können wir unser Ziel erreichen. Die Dieselvorräte würden auf jeden Fall bis zur Bretagne reichen, oder wir weichen zur spanischen Nordküste aus und warten im nur 240 Meilen entfernten A Coruna auf passendes Wetter. Und selbst bei unerwartet aufziehendem Sturm hätten wir mit A Coruna einen sicher zu erreichenden Fluchthafen. Aber: das ist nur der B-Plan. Vor dem Verlassen der Azoren haben wir bei beim Passage Planning diese Möglichkeit berücksichtigt – allerdings als „Worst Case“, der hoffentlich nicht eintritt.
Wir wähnen uns schon fast am Ziel, genießen euphorisch das Segelvergnügen… Das nüchterne Erwachen ist vorprogrammiert. Die Crew hat den Rechtsdreher des Windes auf Nord-Nord-Ost ausgeblendet. Der nächste Tag bringt dann die frustrierende Realität ans Licht: auf dem Plotter zeichnet sich eine fast in rein Ost-Richtung verlaufender Track ab. Wir haben kaum Nord gut gemacht. Also doch nach A Coruna? Stefan hat zweifelsohne Recht: Tapas und Vino Tinto sind verlockend. Aber uns drängt die Zeit: inzwischen haben wir den 10. Juli 2018, bis zum Heimathafen liegen noch rund 1.200 Seemeilen vor uns und Andrea wird bereits am 1. August 2018 von ihren Kollegen am Arbeitsplatz erwartet. Und: was ist, wenn der heute für das Wochenende so verlockend angekündigte West-Wind nicht kommt? Da liegen immerhin 4 Tage dazwischen. Und die Praxis hat gezeigt, dass sich die Windprognose bis dahin auch geändert haben kann. Also: Durchhalten! Wir kreuzen gegen die vorherrschenden nördlichen Winde weiter Richtung Englischer Kanal auf. Haben wir eine andere Wahl? Wir müssen weiter!
Wahlbekanntschaften
„Ein Wal!“ Andrea ist ganz aufgeregt. „Da, voraus, ein Wal!“ Sie springt aus dem Cockpit auf, entbindet den Autopiloten von aus seiner Pflicht und nimmt selbst das Ruder in die Hand. Chris fällt förmlich durch die Hektik an Deck aus der Koje und kommt schlaftrunken aus der Freiwache ins Cockpit. „Da, am Bug, ein Wal.“ Was tun? Wird er uns rammen? Anlufen oder abfallen… was ist zu tun? Der Dickwams schwimmt direkt neben uns, dann taucht er ab, geht unter dem Bug nach steuerbord durch und entschwindet in den Tiefen des Ozeans. Wir halten angestrengt Ausschau. Kurz taucht erneut ein dicker Walbuckel vor unserem Bug auf, um dann in den Weiten des Meeres zu verschwinden. An allen Tagen haben uns Wale begleitet, immer gebührend Abstand haltend. Teils haben sie ihre Präsenz in der Ferne durch das Blasen hoher Wasserfontänen signalisiert, teils hat ein tiefes Schnauben in der leise gurgelnden See auf einen Wal hingedeutet. Manchmal haben auch 2 Meter große Kringel spiegelglatten Wassers ihre unmittelbare Nähe verraten. Und einmal haben wir einen an der Wasseroberfläche regungslos treibenden, offensichtlich schlafenden Wal ganz dicht passiert. Gesehen haben wir ihn erst, als er direkt neben uns, auf gleicher Schiffshöhe war. Hätte er sich voraus auf unserer Kurslinie Schlafen gelegt… nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.
Dass es Walkollisionen geben kann, haben uns auf Faial die Mitarbeiter der Walstation bestätigt. Und eine Yacht, die nahezu zeitgleich mit uns Horta angelaufen hat, hat Spuren von einer Walkollision davor getragen. Der Kiel war leicht in den Rumpf gedrückt und musste an Land neu gerichtet bzw. laminiert werden, das Ruder war beschädigt worden und den Salontisch hat es unter Deck aus der Halterung gerissen. Ausguck halten ist sinnlos, man sieht die grauen Walbuckel an der Wasseroberfläche nicht. Der Kollisionskurs mit Walen steht zum Glück nicht auf der Tagesordnung.
Delfine sind uns da lieber. Die munteren Gesellen bespaßen uns täglich mit ihren tollkühnen Sprüngen und Pirouetten. Über Wasser sorgen in den ersten Tagen noch die Gelb-Schnabel-Sturm-Taucher für Abwechslung, aber mit jeder Meile, die wir uns von den Azoren entfernen, lassen sie sich seltener blicken.
Auch ansonsten ist nicht viel los auf dem Wasser.
Rush Hour in der Biskaya
Bis zur Biskaya können wir AIS-Signale und gesichtete Schiffe an einer Hand abzählen. Dann wird es betriebsam: bei Erreichen der Linie Brest – A Coruna (und später au fHöhe des Englischen Kanals) tummeln sich zig Schiffssymbole, die unsere Kurslinie in mehr oder minder großem Abstand kreuzen, auf unserem Display. Nur ein Schiff kommt uns beharrlich näher: Die „Asprouse“ mit Kurs 210° bis 213° in 8 Meilen Entfernung wird uns mit 200 bis 300 Metern Abstand passieren. Das ist nicht viel, bei einem Schiff dieser Größenordnung. Mit 12 Knoten Fahrt kommt sie schnell näher. Wir laufen hoch am Wind, wollen natürlich nicht gerne abfallen um auszuweichen und unsere mühsam geknüppelte Höhe aufgeben. Außerdem sind wir kurshaltepflichtig (wir habne „Vorfahrt“). Ob sie uns überhaupt schon bemerkt hat? „Asprouse, Asprouse this is the sailing vessel Aurora Maris, Aurora Maris, over.“ In 4 Seemeilen Entfernung wollen wir uns Klarheit verschaffen und fragen per Funk Kanal 16 mal nach: “What is your intention”. Prompt meldet sich die Asprouse. Will sie uns am Heck oder Bug passieren? Der Ozeanriese kündigt an, seinen Kurs um 5 Grad zu ändern, damit wir vor seinem Bug her gehen können. Super, das haben wir uns gewünscht.
Der Wind dreht weiter recht, kommt östlicher und wir machen Süd, entfernen uns also von unserem Ziel! Gerade haben wir das Etmal genommen: 132 Seemeilen in den letzten 24 Stunden, ganz gut, aber auf dem Ost-Nord-Ost-Kurs haben wir nur 94 Seemeilen zum Ziel gut gemacht. Und nun wird die südliche Komponente unseres Kurses die Bilanz weiter verschlechtern. Also klar machen zur Wende! Dann die Enttäuschung: auf neuem Bug können wir nur 335° anliegen, bei knapp 4 Knoten Fahrt. Wie kann das? So kommen wir nie ans Ziel. Die Stimmung an Bord fällt im Sturzflug. Stromversatz bremst uns aus. Durchhalten! Was bleibt uns auch anderes übrig. Doch zum Glück wandelt sich bald die Situation, der Wind dreht weiter, kommt östlicher und mit jeder Meile, die wir uns Richtung offenen Atlantik bewegen arbeitet der Strom schließlich für uns. Am Ende des Tages zeigt unser Plotter einen Track mit fast rein Nordkurs, den wir bei über 5 Knoten Fahrt zurückgelegt haben.
Beim Passage Planning zur Vorbereitung dieser Etappe sind wir von rund 1.275 Seemeilen ausgegangen, etwas mehr als die Hälfte der in 20 Tagen absolvierten Strecke New York – Azoren. Unter Idealbedingungen hätten wir diesen Törn mit 10 Tagen kalkuliert. Wegen der zu erwartenden Wetterunbeständigkeit haben wir uns aber auf 14 Tage eingestellt, in der Hoffnung, es eventuell bereits in 12 Tagen bis in den Englischen Kanal hinein zu schaffen. Diese Illusion haben wir längst aufgegeben. Jetzt aber (es ist Donnerstag der 12. Juli 2018), an unserem 10 Tag auf See, keimt mit dem für Sonntag in Aussicht gestellten westlichen Wind Hoffnung auf, spätestens am 14. Tag und damit im vorgesehenen Zeitfenster, an’s Ziel zu kommen. Die Stimmung an Bord hebt sich, zumal wir bei blauem Himmel, wärmender Sonne, nahezu Glattwasser und um die 5 Knoten Fahrt über Grund Segeln in seiner schönsten Form erleben.
Voraussichtlich noch 3 Tage mit langen Kreuzschlägen liegen vor uns. Bald kommen wir wieder nur zäh voran, machen auf 100 gesegelte Seemeilen lediglich 70 Meilen Distanz gut. Die Crew wird ungeduldig, irgendwie erleben wir kein spürbares Vorankommen. Wir leben weiterhin unseren 3-Stunden Rhythmus: Wachen – Schlafen – Wachen – gemeinsames Frühstücken, wie spät es dann auch immer sein mag – Schlafen – Wachen – gemeinsames Abendessen, mit etwas Glück gibt es Anlass für einen Sun Downer, oder die Sonne entschwindet klammheimlich gefolgt von schwarzer Nacht oder phantastischem Sternenhimmel – wieder wachen – schlafen – Sonnenaufgang, mit wunderschönem Feuerball oder sang- und klanglos hinter dunklen Wolken – wachen – schlafen und so weiter. Nein, langweilig ist es nicht. Die Zeit, rückblickend betrachtet, vergeht schnell.
Die Tide gibt den Takt an
Mit Annäherung zum Englischen Kanal stehen Tidennavigation und Gezeitenberechnungen auf dem Programm. Unterstützt mit den modernen Kommunikationsmedien und den passen Apps auf dem Tablet gibt es diese Informationen auf Fingertipp. Das Passage Planning wird dadurch um ein Vielfaches vereinfacht. Wie setzt am Kap der Bretagne der Strom und in welcher Stärke? Wann ist Hochwasser, wann Niedrigwasser? Welches Zeitfenster eignet sich für die Passage? Passt der Wind zu diesem Zeitpunkt? Oder steht der Strom gegen Wind und baut eine spitze, ungemütliche – je nach Windstärke eine womöglich gefährliche See auf? Die Fragen sind schnell beantwortet und das Passage Planning ist flux erledigt. Dass uns aber bereits rund 100 Seemeilen westlich der Bretagne und des Englischen Kanals die Stromfragen tangieren, überrascht uns in der Tat. Eben haben wir noch gute Fahrt hoch am Wind gemacht, dann bremst uns über 1 Knoten Strom aus, drängt uns nach Westen ab. All die Höhe, die wir in den letzten 24 Stunden gut gemacht haben, droht nun verloren zu gehen. Wir können nur noch 330° über Grund anliegen. Womöglich kommen wir dort raus, wo wir gestern Abend weit im Atlantik die Wende gemacht haben. Der Skipper ist entnervt. Die Crew will ans Ziel. Der Motor muss ran. 4 Stunden bis zum Kippen der Tide schieben wir gegen den Strom bei anfangs nur 3 Knoten Fahrt über Grund, können aber mit Fortschreiten der Tide unsere Fahrt schließlich auf 4 bis 5 Knoten beschleunigen. Euphorie und Frust wechseln im Takt der Tide.
Petrus schlägt sich auf unsere Seite, dreht etwas am Wind, so dass wir unseren Generalkurs anliegen können, allerdings nur vorübergehend.
Zum Landfall Fish & Chips oder Vin Rouge & Baguette?
Den westlichen Bretagne-Zipfel erreichen wir an unserem 13. Tag auf See, am Sonntagnachmittag, den 15. Juli 2018. Seit Stunden schieben wir mangels Wind wieder unter Maschine und machen direkt Kurs auf Camaret-sur-Mer, wo wir am 28. August 2017 zur Biskaya-Querung gestartet waren. Wir haben den Landfall in die Bretagne verlegt, da der Wind eine Verschnaufpause einlegt und erst ab Wochenbeginn wieder den Dienst antritt. Camaret-sur-Mer liegt direkt auf dem Weg in den Englischen Kanal, es bietet sich förmlich an, hier einen kurzen Zwischenstopp mit Vin Rouge und Baguette einzulegen, um dann frisch geduscht und ausgeschlafen mit neuem Wind (aus Westen!) zu Wochenbeginn wieder durchzustarten.
Der Kreis schließt sich!
Am 13. Tag auf See erreichen wir den europäischen Kontinent, 1.412 Seemeilen liegen seit den Azoren in unserem Kielwasser, damit ca. 275 Seemeilen mehr als der direkte Weg. Überwiegend sind wir gegen nord-östliche Winde hoch am Wind gesegelt und zum Schluss in tagelangen, seemeilenweiten Schlägen gegenan gekreuzt.
Am 15. Juli 2018 haben wir um 14.08 UTC am Pointe Du Toulinguet vor Camaret-sur-Mer unsere Kurslinie vom 28. August 2017 gekreuzt. Damit schließt sich der Kreis unserer Runde über den Atlantik. Zwar liegen noch rund 500 Seemeilen zu unserem Heimathafen vor uns, aber uns erfüllt schon jetzt ein tiefes, zufriedenes Gefühl! Unser Segelabenteuer ist mit der 2. vollendeten Atlantikquerung eine runde Sache geworden.
Wenn das kein Grund zum Feiern ist… aber wir werden hier nicht lange verweilen sondern direkt durchstarten, den angekündigten West-Wind mitnehmen und auf der Zielgeraden gen Ijsselmeer so viel Strecke gut machen, wie der Wind zulässt.
Aktuell sind wir hier…
Fotostrecke: 2. Atlantikquerung vollendet
Mein Gott ,was für ein Abenteuer . Ich wünsche euch für die letzte Etappe alles, alles gute und herzlichen Glückwunsch . Liebe Grüße aus Münster .
Annette
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Wir sind schwer beeindruckt von eurer Reise und freuen uns total, euch in Lemmer wieder zu sehen.
Ganz liebe Grüße von Tina & Klaus von der MENAMi
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